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Friedrich des Großen Betrachtungen über die Regierungsformen und die Pflichten der Regenten : von ihm selbst niedergeschrieben
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zelten den Gedanken erzeugt, sich mit andern Familien zusam-mcnzuschlicßen, um ihr Besitzthum durch gegenseitige Vertheidi-gung zu sichern. Hieraus sistd die Gesetze entsprungen, dk denÄicnschcn lehren, das allgemeine Wehl dem Wohl des Einzel-nen vorzuziehen. Seitdem durste Niemand, ohne Furcht vorBcstrafting, sich des Eigenthums dcS Andern bemächtigen; kei-ner durste nach dem Leben seines Nächsten trachten; er mußtedessen Weib, dessen Gut als geheiligte Gegenstände achten. Wurdedie gesammtc Gesellschaft angegriffen, so mußte ein Jeder zuihrer" Rettung herbeieilen. Die große Wahrheit, daß wir Anderndas thun sollen, waS wir wollen, daß uns gethan werde, wurdedie Grundlage der Gesetze und dcS gesellschaftlichen Vertrags.Hieraus entsteht die Liebe zum Vatcrlande, welches man alsden Schutzort 'seines Glücks betrachtet. Da aber die Gesetze,ohne eine ihnen stets gewidmete Aufsicht, weder aufrecht erhal-ten, noch in Ausübung gebracht werden konnten, so wurde dicßder Ursprung der Obrigkeiten, die daS Volk wählte, und denenes sich unterwarf. Man präge sich Wohl ein, daß die Aufrecht-erhaltung der Gesetze die einzige Ursache war, welche die Men-schen bewog, sich Vorgesetzte zu geben, weil hierin der wahreUrsprung der Staatsgewalt liegt. DaS Oberhaupt war dererste Diener dcö Staats. Hatten diese aufblühenden Gesellschaf-ten von ihren Nachbarn etwas zu befürchten, so bewaffnete dasOberhaupt das Volk, und eilte zur Vertheidigung der Bürger.

Der angeborene Trieb der Menschen, sich das möglichstgrößte Glück zu verschaffen, veranlaßtc die Bildung der ver-schiedenen RegicrungSformcn. Die Einen glaubten dieß Glückzu finden, indem sie sich der Führung einiger Weisen überließen;daher die aristokratische Regierung. Andere zogen die Oligar-chie vor. Athen und die meisten Griechischen Republiken wähl-ten die Demokratie. Persicn und der Orient beugten sich unterden Despotismus. Die Römer hatten einige Zeit hindurchKönige; aber der Grausamkeit der Targuinicr überdrüssig, ver-tauschten sie ihre bisherige Regierungsform gegen eine aristo-kratische. Bald auch der Härte der Patricier müde, die es durchWucher unterdrückten, trennte sich das Volk von diesen, undkehrte erst dann nach Rom zurück, als der Senat die Tribunen,die dasselbe zu seinem Schutze gegen die Gewaltthätigkeiten derGroßen gewählt, anerkannt hatte. Seitdem tourde das Volkder Inhaber der höchsten Macht. Man nannte diejenigen Ty-rannen, die sich mit Gewalt der Regierung bemächtigten, undnur von ihren Leidenschaften und Launen geleitet, die Gesetzeund Grundprincipien umstürzten, die von der Gesellschaft zuihrer Erhaltung festgesetzt worden waren.

Wie weise aber auch die Gesetzgeber und ersten Stifter vongesellschaftlichen Vereinigungen der Völker waren, wie gut ihreAnordnungen, so hat doch keine dieser Regierungen sich in ihrer