Druckschrift 
Martin Boos, der Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt : sein Selbstbiograph.
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

— 61 —

nebergs) abzuwarten, der doch nur einen Besuch auf einige Stun-den gemacht hatte. (S. Fenebcrgs Leben, S. 138.)

Saulus (der aber nie ein Paulus wurde) wollte zwar Boosgleich auf der Stelle gefangen mit sich fortführen. Allein dieser warso krank, daß er nicht konnte; doch gab er sein Ehrenwort, er werdeund wolle ohnfehlbar sich selbst vor dem Ordinariat stellen, sobald esseine Gesundheits-Umstände erlauben würden. Dieß wurde zuge-standen. Saulus ging mit seiner Beute, und Boos folgte baldnach. — Er riß sich los von seinen besten, vertrautesten Freunden,und lief wie ein Lamm dem Wolf in die Klauen — zog, sobald ergesund war, hin nach Jerusalem, wo er nichts Anderes erwartenkonnte, als Banden und Kerker, Spott und Verdammung des schonoft gekreuzigten Christus, und der schon oft verworfenen Wahrheit.

Den 16. Febr. 1797 stellte er sich vor seinen geistlichen Rich-tern in Augsburg.

Boos in der Inquisition in Augsburg.

Das Lamm lag nun auf der Schlachtbank; Boos stand daserstemal als Jnquisit vor dem geistlichen Gerichte—vor dem bischöf-lichen geistlichen Rathe in Augsburg. Das Erste war, dclß manihn in das Priester-Corrcctions- oder Zucht-Haus in Göggingen,eine Stunde von der Stadt entfernt, einsperrte, wo lauter geistlicheVerbrecher und Verrückte gefangen saßen, und von woaus er An-fangs unter Wegleitung eines Soldaten oder Wächters zum Verhörnach Augsburg gehen mußte. Alle Menschen mußten glauben, erhabe das größte Polizey-Verbrechen begangen, er sey Dieb oderMörder u.

In diesem Gefängnisse mußte er acht Monate sitzen, und wur-de, ehe er verhört war, schon als Verbrecher behandelt. In 5st Ta-gen war er erst viermal, im Ganzen aber, mehr als 50 mal conftituirtund verhört. Wer es nicht erfahren hat, wie Einem dabei zuMutheist, kann sich keine Vorstellung davon machen. ....

Seine Richter waren zwar fast alle wackere Männer, nur zwei(und von diesen war Einer meistens abwesend) waren heftig, bitterund feindselig, und wollten ihn mit Gewalt zum Ketzer änachen.Die andern, die milder waren, hatten nicht Kraft genug zu wider-stehen. Selbst der Gen. Vicar Nigg war mehr für, als gegen Booseingenommen, aber er hatte nicht Muth genug, sich für ihn zu er-klären, und den Verfolgten zu schützen oder zu retten, weil er sichfürchtete, von dem heftigen Widersacher selbst verketzert und beimBischof verdächtig gemacht zu werden. Ein anderer geistlicher Rathwar ein heimlicher Freund, der Boos gern hörte, und manche Nico-demus-Stunde mit ihm zubrachte, sich ungemein an seinen Erfah-rungen erbaute, und oft ganz für dieSache gewonnen zu seyn schien.