Druckschrift 
Martin Boos, der Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt : sein Selbstbiograph.
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

entgegen, der ihn abholen und ihm zurufen nnrßte: Komm herein,du Gesegneter des Herrn? Warum sollst du draußen stehen? Es wirdmeinem Hause und Herzen Heil widerfahren, wenn du unter meinDach eingehst. Dieser abgesandte Bruder eilte einige Stundenweit demÜm Kcmptischcn hinausgcworsncn Apostel entgegen, er-blickte ihn endlich von fern, auf einein alten Schimmel reitend, undriefihm zu: St. Martin auf dem Schimmel! wohin? Boos, demdie Welt zu enge war, und der kein Platzchen wußte, wo er seinHaupt hatte sicher und ruhig niederlegen können, der sehr besorgtund voll Kummer war, ob ngan ihn in solchen Umstanden in Seegwohl auch aufnehmen würde, war wie entzückt, als er die freundliche,fröhliche, einladende Brudcrstimme hörte, nachdem ihn der Haß derWelt und die Menschenfurcht schwacher Freunde oder falscher Brüderaus dem Hause gerade auf die Landstraße geworfen hatte. Wer warfroher, als er? Er glaubte einen Engel Gottes zu sehen, als er denfreundlich ihm Friede! Friede! cntgegenrufenden Boten Natha-uaels erblickte. Seine niedergedrückte Seele lebte wieder auf, erfaßte Muth, und lobte Gott mit lauter Stimme.

Der gute Bote führte ihn in die Arme Nathanaels, und diesernahm ihn in seiner heiligen Einfalt wirklich wie den Herrn selbst auf,nach dem Worte: „Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wermich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat." Das ver-stand Nathanael ganz besonders, darum hatte er auch seine besondreFreude dabei.

Boos erzahlte nun, wie es ihm gegangen, wie sich thcils derHimmel vor ihm, theils die Hölle hinter ihm aufgethan, und beideFeuer aus ihn geregnet, jener mit Feuer der Liebe, diese mit Feuerdes Zorns ihn getauft hätten. Aus allen? Vorgefallnen konnten sienun wohl schließen, was Boos, was sie, die ihn aufnahmen, zu er-warten hatten. Doch für den Augenblick freuten sie sich mit einan-der, dankten und lobten Gott für alle Gnade und Barmherzigkeit,die er an den Menschenkindern thut. Sie predigten dasselbe Evan-gelium fort, das so sehr verlästert, verfolgt und ausgestoßen war.

Aber die Ruhe und Freude dauerte nicht lange. Boos warkaum einen Monat in Seeg, vom Anfang des Januar bis AnfangsFebruar, so geschah plötzlich ein Ucberfall. Unerwartet erschienRößle, ein geistlicher Rath, als Untersuchungs-Commisiär, im Pfarr-hause zu Seeg, an einem Tage, da Fcneberg nicht zu Hause war,überfiel Boos, und ließ, ohne eine Bollmacht vorzuweisen, Pultund Schranke aufbrechen, nahm alle Papiere, vertraute Briefe, ei-gene und fremde Gewissens - Erklärungen, Auszüge aus Büchern,eigne Aufsätze, ja die kleinsten Papierschnitte, worauf nur einigeWorte geschrieben waren, zugleich auch allerlei) Bücher weg, undeilte mit dieser Beute davon, ohne die Ankunft des Hausherrn (Fe-