bracht, und der Oheim es gelesen hatte, sagte er zu ihm: „Nun, deinSchullehrer giebt Virzin gutes Zeugniß; ich wills versuchen mitdir und dich siudiren lassen; wenn es aber anders als jetzt geht, somußt du ein Schuster werden."
Nun wurde Martin noch fleißiger, als zuvor. Er stndirte undbetete Tag und Nacht, daß ihm der liebe Gott doch zu seinem Zweckhelfen möchte (daß er doch ja kein Schuster, sondern ein Geistlicherwerden dürste).
Er kam nun in die Schule der Exjcsuiten (in das Gymnasiumzu St. Salvator), wo er die untern Elasten in fünf Iahren mit gu-tem Fortgang absolvirte, und dann die Logik auf dem Lyceo.
Als er von den Ferien nach Hause kam, sagte sein Oheim:Wo bist du so lange geblieben? Morgen mußt du nach Dillingen(auf die Universität); hole nur geschwind deine Zeugnisse bei denErjesuiten.
Als Martin die Zeugnisse von den Erjesuiten verlangte, sowollten sie ihm dieselben nicht selbst geben, besonders als er sagte,daß er nach dem Willen seines Oheims seine Studien in Dillingenfortsetzen wollte. Denn, sagten sie, Dillingen sey ein gefährli-cher und böser Ort für junge Leute (weil Sailer, Zimmer, Weberund andere Professoren und Lehrer dort angestellt waren, die denErjesuiten ein Dorn im Auge waren); er könnte (setzten sie hinzu)dort seine Religion verlieren; sie wollten ihm die beste Conditio»(Hauslehrcrstclle, wo er ganz verpflegt wäre und frei studiren könn-te) in Augsburg verschaffen, wenn er bei ihnen bliebe; er hättein dieser Hinsicht nichts nach der Unterstützung seines Oheimszu fragen." Als Martin mit dieser Antwort nach Hause kam zuseinem Oheim (der kein Freund der Jesuiten war), wurde derselbegewaltig zornig und sprach: Jetzt gehst du noch einmal zu ihnen,und sage denselben, sie sollen dir deine Zeugnisse geben; wo nicht,so würde ich solche mit Gewalt zu erheben wissen. Jetzt gaben ihmdie Erjesuiten die besten Zeugnisse.
Des andern Morgens früh mußte Martin mit seinen Zeugnissennach Dillingen reisen in das Scminarium zu St. Hieronymus. Erschied ungern und mit Thräncn von Augsburg, weil ihm die Erjesui-ten sagten, er würde schlechte Grundsätze einsaugen, und von dendortigen Lehrern und Studenten verführt werden.
Martin studirte nun in Dillingen die Physik und Metaphysikmit großem Fleiße, und wurde der erste Magister, dem man da-mals gleich anfangs versprach, daß er ohne Examen als Dunumssiuntillcms aufgenommen werden sollte. Man hielt aber nicht Wort.Er mußte so wie alle klebrigen ein Examen aushalten, und ward dann
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