Druckschrift 
Unterhaltungen für gläubige Seelen
Entstehung
Seite
164
Einzelbild herunterladen
 

164 VI. Cclp. Von der rechten Anwendung

Leben und Wachsthum, sondern allein der Genuß der-selben. Und da nun, wie schon gedacht, das eigent-liche innere Wesen des ChristenthnmS, des Glaubensund Gnaden-Standes, in einem lebendigen und Genuß-vollen Zustande der Seele bestehet: so thuk sich derje-nige großen Schaden, und hindert sich am WachSthumeund Fortgange in der wahren Gottseeligkeit, welcherdie heilige Schrift mehr zur Belustigung und Befriedi-gung seiner eitlen Wißbegierde liefet und betrachtet,statt daß er suchen sollte, das geoffenbarte Wort derWeisheit, einig zum tz.eil seiner Seele zu gebrauchenund dasselbe mir dem 5? erzen zu fassen und verste-hen zu lernen.

§. 26.

Haben wir nur erst den Mund der Seele begie-rig nach der lautern Milch'des Evangclii aufgcthan,1 Pet. 2, 2. und lassen unS solchen zum Unterhalt fürunser geistliches Leben füllen, Pf. 81, 11. so werdenwirS schon erfahren, daß der beilige Geist auch daSAuge der Seele zur rechten Zeit bedenkt, wenn wirauch gleich anfangs nicht immer sehen, wie eigent-lich das Manna aussieht, womit er unsspeiset.

§. 27.

Auf diesem Wege lernen wir in der Schule desheiligen Geistes — auch gar bald, geistliche Sa-chen, welche den Jnnhalt der ganzen heiligen Schriftvom Anfange bis zu Ende ausmachen — geistlichzu richten; das heißt: wir lernen in der Schriftüberall den Sinn Gottes treffen, in welchem sie unsgegeben ist zur Seeligkeit durch den Glauben an Je-sum Christum — zur Lehre, zur Strafe, zur Besse-rung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, damit ein