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Unterhaltungen für gläubige Seelen
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162 VI. Cap. Von dcr rechten Anwendung

Seele, zum Wachsthum des geistlichen Lebens zuberei-tet und mitgeteilt wird, so muß dasselbe auch vorzüg-lich bei Lesung des göttlichen WortS, dem Geiste Got-tes hingegeben und eröfnet, und für ihn gesammletscyn, und diesen heilbringenden Zustand unsers Innernbewürkt die grade uud unmittelbare Richtung des Her-zens zu Gott, im Gebet, wo sich alle Kräfte derSeele, auf einen Punct vereinigen, nehmlichin der Liebe zu Gott, und im Verlangen nach seiner see-ligmachendcn Erkenntnis, und zu der ungeteilten Auf-merksamkeit auf alles, was er uns in seinem Wortesaget.

Und jener Zustand, jene Richtung des Herzens z»Gott, bei Lesung der heiligen Schrift, ist auch unsermVerhältnis gegen Gott so ganz angemessen, wenn wirunS cinmahl vorstellen, daß er mit uns in seinemWort rede t. Natürlicher Weise kann da unser Herz,bei den wichtigen, unser ewiges Heil betreffenden Un-terhandlungen zwischen Gott und ihm, nicht kalt,stumm und müßig vor dem Herrn stehen bleiben,so bald es mit der Ehrfurcht und mit der Heils-begierde erfüllt ist, mit der wir uns vor sein Ange-sicht stellen müssen, wenn wir Gnade und Secgcn vonIhm erlangen wollen.

§. 22.

Lesen wir in diesem Sinn und in diesem Blick dieSchrift, so wird das Herz stete Aufforderung bekom-men, Gott zu antworten, wodurch denn zwischenGott und der Seele Gespräche und Unterhal-tungen entstehen: und eben dies ist die einfältigsteund Fruchtbringendste und Genußvollste Art im Ge-branch des göttlichen Worts. Johann Arndt hat im