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Unterhaltungen für gläubige Seelen
Entstehung
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,6 III. Brief. Die Königin

Dritter Brief.

.^)cr historische Glaube das heißt der Glaube, womau Etwas, blos um dcS Zeugnisses eines andernwillen für wahr annimmt, ist zwar die Grundlagezu dem wahren lebendigen Glauben an höhere undGöttliche Dinge; aber ihrem Wesen nach sind sie ganzverschieden, wie oas blosse Wissen und Anschauen einerFrucht, von dem würklichen Genüsse derselben.

Der historische Glaube oder das todte WissenGöttlicher Dinge auch da, wo er die Vernunft zurRuhe hinweiset, wirft er für sich allein noch leinInteresse fürs Herz ab, weil dieses seine Befriedigungnicht im Wissen; sondern im Haben, Werden,Erfahren und im Gcnüßen findet.

Das Wissen ist die Grundlage und der Weg, derzum lebendigen Glauben führet; denn wie sollen dieMenschen glauben, sagt Paulus, von dem sie nichtsgehöret haben? Wie sollen sie hören, ohne Zeugen?Rom. lo, 14. Soll nun aber das Wissen der Vernunft,Leben und wesentlichen Gehalt bekommen; so muß diesesich mit dem Herzen verbinden; sie muß ihr erlangtesEinkommen im Wissen, dem Herzen so lange vorhalten,bis es von der Begierde nach dem Besitz und Genuß,auf den Weg der Selbsierfahruug hingctriebcn wird.

Nach der ursprünglichen Bestimmung des Menschenist seine Vernunft und sein Herz, durch ihre ver-schiedenen Kräfte berufen, das Heil des Men-schen in der innigsten Verbindung zu bewürben;Sie sollen verbundene Beförderer und Theilnehmereines gemeinschaftlichen Interesse seyn.

Nach der jetzigen natürlichen Beschaffenheit desgefallenen Menschen aber stehen sie stets in Wider-spruch