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Unterhaltungen für gläubige Seelen
Entstehung
Seite
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6 I. Brief. Die Königin

Gnade widerstrebende Seele des Menschenmacht, daß mancher Mensch mehrere und weitere KreyS-länffe um den Mittelpunkt seiner Rüde in Gott durchlau-fen muß! Je bereitwilliger aber die Gnade ein Herzfindet, sich zum Ceutro und Ziele feiner Ruhe in Gottund Seeligkeit hinführen zu lassen: desto starker undschneller wird der Zug aus der Peripherie in den Mit-telpunkt desto bemerkbarer, auffallender scheint unsdie Art und Weise, wie Gott einen Menschen, so zusagen oft auf einen einzigen Ruck, aus einer uns schein-bar weiten Entfernung von Ihm, zu sich zieht, und dasan ihm in Einer Stunde vollendet, wozu nach unsererMeinung Gott an Andern wohl Jahre nothig hatte.Da geschichts denn, daß uns das Mittel, der Weg unddie Art der Führung und Bearbeitung Gottes sonder-bar dünkt; Wir wissen aber nicht, was die Gnade ander Seele schon im Verborgenen vorgearbeitet hatte, ehedie Stunde schlug, wo sich ihre Kraft verherrlichen wollte,und wo das der Gnade vorbereitete Herz, dem machtigenZuge nicht mcnr zu widerstehen vermochte.

Und liebster Bruder! wenn wir von sonderbaren ,sich auszeichnenden Wegen, uno Veranstaltungen Gotteszum Heil der Seelen reden, dürfen wir da mit unfernBlickender Verwunderung, nur im grauen Alterthumeverweilen? Enthalt unsre Zeit, in welcher wir leben undheimgesucht werden enthält sie wenigere und gerin-gere dieser Wunder det Gnade und Barmherzigkeit?Was hat der Herr nicht an Dir und mir gethan? Aufwelchen Wegen, durch welche Mittel zog er Dich undmich endlich ganz an sein Herz? Zu wgS für Werkzeuge»seiner Erbarmnng berief er uns ? Welch ein Werk derAllmacht, Weisheit und Gnade, hat Er unter uns auf-gerichtet, woran sich Spotter, Frevler und Ungläubigeden Kopf zerstoßen, und an welchem Halbgläubige,vom Uebergewicht des Sonderbaren und Unbegreiflichen,