198 Daß man nicht allen Menschen glauben darf ic.
drängnissen des Freundeö ausharret. Du, Herr, dubist der treueste in Allem, und außer dir ist kein An-derer so. O wie weise war jene heilige Seele, welchesprach: Mein Gemüth ist befestiget und in Christagegründet! Wäre es mit mir also, so würde michmenschliche Furcht nicht so leicht bekümmern, noch derWorte Geschoß mich rühren.
4. Wer vermöchte, Alles vorherzuschen, wer künf-tigen Uebeln vorzubauen? Wenn das Vorgesehene oftauch verletzet, was wird das Unvorgesehene andersdenn schwer verwunden! Allein warum habe ich mirArmen nicht besser vorgesehen? Warum auch babe ichAndern so leicht getrauet? Aber wir sind Menschen,und nichts anders denn gebrechliche Menschen, ob wirauch von Vielen Engel erachtet und genannt werden.Wein soll ich glauben, Herr? Wem, wo nicht dir?Es ist Wahrheit, daß du nicht hintergehest, nochhintergangen werden kannst. Und wiederum: AlleMenschen sind lügenhaft, schwach, unbeständig, undstraucheln leicht am meisten in Worten, so daß alsbaldkaum geglaubt werden darf, was dem Ansehen nachrichtig zu lauten scheinet.
5. Wie vorsiclMglich hast du nicht zuvor gcwarnet,daß man sich müsse hüten vor den Menschen, und daßdes Menschen Feinde seine eigene Hausgenossen seien;auch solle man nicht glauben, wenn Einer saget: Siehe