Von der Dankbarkeit für die Gnade Gottes. 87
nein Begehren zu genießen, weil die Zeit der An-fechtung nicht lange ausbleibet (Phil. 4, 4 — 9).
2. Allein viel ist der Heimsuchung von oben herdie falsche Freiheit der Seele zuwider und großesVertrauen auf sich selbst. Gott thut wohl dadurch,daß er die Gnade des Trostes gibt, aber der Menschhandelt übel, daß er Gott nicht Alles mit Danksagungzurückerstattet. Und darum können in uns nicht strö-men die Gaben der Gnade, weil wir dein Urheberundankbar sind und nicht Alles in die ursprünglicheQuelle zurückstießen lassen. Denn allzeit gebührt dieGnade dem, welcher würdig Dank zollet, und es wirddem Hoffärtigen genommen, was dem Demüthigenpfleget gegeben zu werden (Ps. 59).
3. Ich will den Trost nicht, der mir die Zerknir-schung nimmt, noch begehre ich die Beschallung, welchezum Hochmuth führet. Denn es ist nicht Alles heilig,was hoch ist, noch Alles gut, was süß ist, noch allesBegehren lauter, noch Alles, was uns theuer ist, Gottangenehm. Gerne "empfahe ich die Gnade, durch welcheich immer demüthiger und behutsamer werde, und wil-liger, mich selbst zu verlassen. Der mit der Gabeder Gnade gelehret ist, und unterwiesen durch dieRuthe der Gnadenentziehung, der wird sich selbst nichtsGutes zuzumessen wagen, sondern vielmehr bekennen,er sei arm und bloß. Gib Gott, was Gottes ist.