Druckschrift 
Reliquien von Justus Möser und in Bezug auf ihn
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56

bcit, wobei die leere Nuhe wegfällt, und wodurch ihmzugleich ein Feld der Ehre eröffnet wird. Hier schwingtder Baucrbursch sein braunes Mädchen öffentlich, unddie Alten gehen ab und zu, und freuen sich ihrer Kin-der, anstatt sich traurig an den Hccrd zu setzen, undauf den Stühlen zu betrinken. Die junge Frau reißtihren Mann vom Spieltische, wo er nur sein Geldverliert, und ruft dem Spiclmann auf der Tonne zu,den rechten Tanz zu spielen. Ihre Kinder bewegensich draußen unterm Fenster, um den Schall der Vio-line nicht umsonst verfliegen zu lassen; Alles freuetsich, weil es hungrig auf Freude ist, und freut sich ein-mal satt, da es der Lust nur selten genießt, und ihrer be-darf, um sich von der langen, schweren Arbeit zu erholen.

So ist der Tanz des arbeitsamen, eines großenThcils der Menschen; und wo sie diesen nicht lieben,da sitzen die Männer in traurigen Stuben, schwelgenund spielen, und ihre Jugend schleicht in Winkel zu-sammen, um sich in heimlichen Lastern zu wälzen.Je roher der Mensch ist, desto mehr sucht er den Aus-druck der Bewegung. Seine Sprache dünkt ihm zuschwach, sein Auge, wenn es uicht erhitzt ist, zu blöde;er muß springen, wenn er seine Freude selbst fühlenund andern mitthcilcn will. Daher lieben auch dieWilden den Tanz so sehr; er ist ihnen wahres Be-dürfniß, und die Nation ist die glücklichste, die vielFreuden auf diese Art auszudrücken hat, oder, wo siegedrückt ist, viel Leid vcrtanzcn kann.