XXVIII
sah klar, wic sie zu Regellosigkeit und Unförmlichkcitführen müsse, da in seinem Geiste der Gedanke einerhöhcrn Regel, eines vollkommeneren Maßes lebte,welches die Parteien nicht erkannten. Diese Regel,wic er durch das oben erwähnte Gleichnis; andeutet,wic er wohl, wäre der Aufsatz zur Vollendung gedie-hen, weiterhin dargcthan haben würde, war nicht die,nach der französische Kritiker hochmüthig über jedesWerk des Geistes absprachen und dasselbe in ihreconvcntioncllcn Schranken zwängten, nicht die, der zu-folge Gottsched ein kümmerliches Häuschen zimmerte,in dem doch selbst die Riesen-Geister der Alten woh-nen sollten, nicht die, der zu Liebe selbst Tasso seinhohes Heldengedicht in späterer Umgestaltung verderbte;sie ging von dem Gedanken aus, daß dem wahrenGenie eine schöpferische Kraft inwohnc, die ohne Re-gel und Maß nicht gedacht werden kann, daß in denWerken dieses Genies der Geist ein Abbild derjeni-gen Harmonie finden müsse, die er in begünstigtenStunden im Universum ahndet. Die weisen Griechennannten die Welt Kosmos, das ist Ordnung,Maß, Regel; und hätte Möscr jenen Aufsatz inspäterer Zeit geschrieben (es ist ein schönes Zeugnis?für seinen Geist, daß er damals das sagte, was jetztzu sagen nicht schwer ist), er würde vielleicht dasschöne Wort Schillcr's angewandt haben: