bcsondcrn Rciz der früheren Briefe an, in denen sichGocthc's jugendliche Frische, seine Kraft und seinStreben ausspricht; und dieser Rciz wird erhöht,wenn zu der jugendlichen sich selbst bewußten KraftEhrfurcht vor dem wahrhaft Großen sich gesellt undliebevolle Anerkennung eines Verdienstes, das man sichselbst gern aneignen möchte. Nichts ist ferner erfreu-licher als die Wahrnehmung eines Menschen, derdurch ein langes, reiches und bewegtes Leben hindurchsich selbst, d. h. dem Bessern in ihm, treu bleibt. Ha-ben wir in diesem Briefe des fünfundzwanzigjährigcnGoethe nicht schon den, der als Greis noch die Ucbcr-licfcrung so hoch achtete, und, wenn irgend, da vorallem zürnte, als ein übcrmüthigcs junges Geschlechtsich mit Originalität brüstcte?
Der bedeutendste unter den fünf Briefen ist aberohne Zweifel der zweite; und vielleicht ist ans dieserPeriode von Göthe's Leben kein bedeutenderes bricsii-
seiner bei seinen die Musik betreffende» Studien. Aber diederbe Natürlichkeit Zclter's, die Schicksale, durch die sich dieserso kräftig durchschlug, hatten gewiß ein großes Gewicht beiGoethe, und gaben vorzüglich Anlaß zu der innigen Freund-schaft, die zwischen beiden Männern statt fand. Wir solltenuns, statt zu kritischen, und nichts zu achten, was nicht volldes sublimsten Geistes ist, der Gunst des Schicksals freuen,das uns aus den verschiedensten Lebens-Epochen des großenDichters, Briefe an Lavater und Moser, an Schiller, an Zelter,erhalten und gegönnt hat.