194 Aliso in seiner Verknüpfung mit der Heldensage
Reiche herrschte und bei ihm Aldrian, Hagen von Trojas Sohn, aufwuchs.Die Gier nach dem Nibelungengold quält den alten, nun grau gewordenenGeizhals immer noch, als wollte und müßte er diesen Schatz mit ins Grabnehmen. Ist auch Aldrian erst „11 Winter alt", so ist er doch schon reif zurRache? und da er zum einzigen Erben des Hortes geworden ist und dengeheimnisvollen Winkel weiß, der das Kleinod birgt, sucht und findet er endlichGelegenheit, durch Ausnutzung der Goldgier Attilas an diesem Blutrache fürden an den Nibelungen verübten Verrat zu nehmen.
„Eines Tages war nun König Attila mit seinen Mannen in den Waldauf die Tierjagd geritten. Da waren alle übrigen von ihm abgekommen bisauf seinen Pflegling Aldrian. Da sprach Aldrian zu dem Könige: .Wiegroßen Reichtum meinst du wohl, daß Siegfried der schnelle besaß, welcherSchatz nun der Nibelungenhort heißt?' Da antwortete der König: ,Der Schatz,welcher Nibelungenhort heißt, enthält das meiste Gold, das jemals an einerStatt zusammengekommen ist, so viel wir wissen.' Als sie nun einige Tagespäter wieder in den Wald ritten, wollte Attila niemand mit sich fahren lassenaußer Aldrian, seinen Pflegesohn? und nun endlich erfuhr der König denOrt, wo der gänze Schatz verborgen lag. Aldrian nahm die Schlüssel, welchein den Berg führten, schloß die Tür auf und noch eine Tür und noch einedritte Tür? dann ging Aldrian hinein in den Berg und König Attila ihm nach.Da sagte Aldrian dem Könige, daß hier der Nibelungenhort sein müßte; erging und zeigte dem König Attila da Gold und Silber und gute Waffen, dieSiegfried der schnelle gehabt hatte und König Günther und Hagen von Troja,und war dahin alle fahrende Habe der Nibelungen gekommen: an einer Stattwar das Gut, welches König Günther gehabt hatte, Gold und Silber und edleKleinode; und an einer andern Statt, dahin König Attila ging, da war dasGut, welches Hagen von Troja gehabt hatte, und war nicht minder Gut,denn an der ersten Statt. König Attila betrachtete es lange und sah jedesStück an. Aldrian aber ging nun tiefer in den Berg und bat den König, auchdorthin zu kommen; da zeigte er ihm das Gut, welches Siegfried der schnellegehabt hatte: da war halbmal mehr, denn jedes von beiden, das er zuvor sah.Nun war König Attila gar fröhlich und sah wohl, daß da so großes Gut seinmüßte, daß kein König reicher sein könnte an Gut all sein Lebtage, als ersein möchte.
Nun ging Aldrian noch weiter in dem Berg umher, und wieder zur Türund davon hinaus und schlug die Tür hinter sich zu.
Da rief König Attila: Mein guter Freund Aldrian, komm noch nochmalsher zu mir.'
Aldrian antwortete: .Nun magst du haben Gold und Silber und edleKleinode, so viel, daß du nie mehr begehren kannst, als du nun hast: ich aberhabe schon lange so gelebt, daß ich wenig Gut besaß: nun will ich hinausfahren in den Wald, mich zu ergötzen.'
Er schloß darauf die andere Tür wieder zu und auch die dritte und trugSteine und Rasen darüber. Nun dachte König Attila nach, was dieser Jüng-ling getan hätte und er glaubte nun zu wissen, daß derselbe seinen Vater undalle Nibelungen rächen wollte.
Drei Tage danach kam Aldrian wieder zu dem Berge: Da hatte KönigAttila eine Tür aufgehauen und rief: .Guter Freund Aldrian, tue nun den