186 Aliso in seiner Verknüpfung mit der Heldensage
zuletzt genannte habe wirklich Soest nur einige Wegstunden östlich vom Rheinsich gedacht? Ausgeschlossen! Vielmehr erkennen wir in der Angabe:„Bakalar lag am Rheine" eine höchst schätzenswerte, auf genauesterOrtskunde beruhende Vermehrung unserer früheren Quellennotizen, durch diees uns sogar möglich wird, zwischen der Amtsbezeichnung Markgraf undder mit „Rhein" bislang übersetzten Örtlichkeit die innere Verbindungsliniezu ziehen, denn auch hier haben wir wieder ein altes Wort für Grenze voruns, deren Hüter Rüdiger war. Wir müssen freilich dabei an ein WortGrimms uns erinnern: daß gar nicht genug vor einer Methode gewarntwerden könne, die alle mit rz-rr und riiru auftretenden Formen kurzerhandmit dem Rhein in Verbindung bringe.
Sollte denn wiederum nicht mit Fug und Recht in und um Soest voneinem Rain (reen, rein) in der Bedeutung Grenze, begrenzende Voden-erhöhung, begrenzender Streifen Land geredet werden dürfen? Iellinghauszählt in seinen „westfälischen Ortsnamen" unter dem Grundwort ren, renn,rein nicht weniger als 1l) Orte und Örtlichkeiten, darunter auch die StadtRheine an Westfalens Nordgrenze, vor allem aber auch Rhynern südöstlichHamm auf, das schon 797 als Hrenheri urkundlich genannt und im 14. Jahr-hundert, also in der Blütezeit des westfälischen Heldensanges, Rinhere ge-schrieben wird. Wir haben auch einen OrtHrines hem, der später Rand-wijk heißt und uns in dieser Übersetzung selbst zeigt, daß man tatsächlich imVolk unter rin Rand, Randgebiet, Grenzstreifen verstandenhat! somit erklärt sich auch das schon genannte Rhynern als das im R and -gebiet liegende Dorf. Da nun nach dem nordischen Sprachgebrauch derwestfälischen Nibelungensage Rand duckn heißt, so ist auch der Wohnsitzdes Rüdiger, der von Bakalar heißt, nach der Grenze benannt. JederHeimatkundige konnte also beim Lesen unserer Sage durch die Beifügung„am Rain" (rzn, ren, renn, rein) die Grenze und die zu bewachendenDurchgänge, den Baum, das Heck, das Teutheck, den Beerbaum (derbern)nennen, der in gutem, klassischen Latein sultns hieß. Bakalar ist nun aberlängst schon von Boer in einer Abhandlung über Dietrich v. Bern als eineWortform erkannt worden, die in Rücksicht ihres Grundwortes-Iar, das nurin Nord deutschland bodenständig sei, auch dorthin zurückzuführen sei.
Sollten aber dennoch unsere Ansehungen, die doch nur sich auf die unver-fälschten Quellen stützen, zu kühn erscheinen, so sei noch daran erinnert, daßnach Kap. 370 unserer Sage sich Hildebrand und Dietrich beim Abschied vonSoest, den wir im übrigen ja schon behandelt haben, auf die westliche Straßegen Mundio wenden. Mag nun Mundio ^ Wenden sein oder nicht: dieaus Soest herausführende westliche Straße kann nur zum sog. Birken-baum geführt haben: und wenn eben auch auf dieser Straße Bakalar unsgenannt wird, so ist es vielleicht nicht uninteressant, zu vermerken, daß im13. Jahrhundert in Hemmerde, also in der Zone des Birkenbaums, ein be-deutender Hof Bukelere auftaucht. Mag dem sein, wie ihm wolle, so vielsteht fest: Sowohl die „westliche Straße", die in südwestlicher Ab-biegung über Menden nach Bonn-Verona, wie auch die vom Virkenbaumzum Teutheck und Seseke-Körne-Winkel führende Straße hatte von Soestbis zum Virkenbaum einen gemeinsamen Zug und gabelte sich dannan dieser denkwürdigen Durchgangsstelle. So konnten auch Hildebrand und