180 Aliso in seiner Verknüpfung mit der Heldensage
winket für Räuber geworden sein mochten, sich eine neue Siedlung heraus-bildete, nur eine Wegstunde vom Lippekastell, das heutigeBrechten, konnte auch dieses nicht besser als mit der Bezeichnung „bei denLagern" kenntlich gemacht werden.
Als nun aber in der Zeit Karls des Großen die Karlsburg an derLippe selbst, sicher in der Gegend von Lünen, angelegt wurde und als dannin der Sage Dortmund (Tremoigne) sich zur Hauptstadt der KarolingischenMacht entwickelte, mochte auch bei den Franken von dort aus der ersteEtappenort zur Lippefurt hin den Namen „bei den Lagern" ^ Brechten er-halten haben.
Nun werden wir es auch durchaus begreiflich finden, daß in dem schonbehandelten „Wolfdietrich" ebenfalls das Kastell Vrictun erscheint, auch hieran einer wichtigen Straße gelegen, auch hier den berüchtigten, in französischenVorbildern wurzelnden Räuberzoll erpressend. Uns will es auch scheinen, alswenn wir uns mit den übrigen Angaben der nordfranzösischen Sage, derFurt am Fluß „Rune" nördlich Dortmund, dem „Kastell am Hünenberg"wieder auf dem Boden unserer Sage befänden: es werden eben damals noch,ohne scharfe Scheidung zwischen fränkischer und einheimischer Darstellung, diealten Lieder im Fluß gewesen sein und sich erst geteilt haben, als diefrän -kische Weiterbildung sich mehr und mehr zur Trojasage entwickelte,während der in der westfälischen Sage auftretende Zweig volks-mäßiger blieb. Das ist uns denn auch in den im 10. Jahrhundert ent-standenen Quedlinburger Annalen mitgeteilt, die von Dietrich von Bernmelden, daß er ein besonders im Volksgesang der Bauern gefeierter Heldgewesen sei. So werden wir denn auch das rechtsrheinische Troja der frän-kischen Stammsage, das wir im alten Sugambrerland fanden und uns auchdort schon in naher Verbindung mit Brictun, Babilon und der Romanie be-gegnete, als weitergehendes fränkisches Sagengut, Babilon aber alscharakteristisches Eigentum des westfälischen Volksepos anzu-sprechen haben.
Wir würden dabei sogar bei aller inneren Verwandtschaft auch die kleineörtliche Verschiedenheit angedeutet finden, wenn wir Troja für denwestlichen, Babilon für den östlichen Teil der mit dem Gesamtnamen Elfebezeichneten römischen Anlagen in Anspruch nehmen. Dann wäre Troja„die feste Burg", das mit drei Gräben umwehrte Kastell an derLippe, und das sagen- und quellengemäß etwas davon abliegende Babilondas L e g i o n s la g e r.
Und nun begegnet uns auch Elfe wieder in der westfälischen Sage mitder näheren Bezeichnung „Babilon": wie wir auch bei der Gleichheitseiner Berufsstellung als Markgraf in Dietrichs Flucht und Rabenschlachteinerseits und im süddeutschen Nibelungenlied und der westfälischen Nibe-lungensage andererseits in Erwin von Elsentroje wie in Elfe von Babilonan der Donau Glieder derselben Familie wiedererkennen, welche in derletzteren Sage gemäß ihrer im Norden erfolgten Aufzeichnung als UarlElsung bezeichnet werden.
Wie stellen wir uns nun die weitere Entwicklung der Todesfahrtder Nibelungen vor? Als die Kunde dem Hüter der Mark an derDonau gemeldet wurde, die Nibelungen seien an der Landesgrenze