Druckschrift 
Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
Seite
171
Einzelbild herunterladen
 

Die fränkische Stammsage mit ihrem sugambrischen Heimatboden 171

Feindschaft aus einer Gegend des rechten Rheinufers auf das linke Uferentfloh. Schon hierdurch entstehen wieder enge Beziehungen zwischen denOrtsnamen Troja und Elfe, die uns nach Westfalen führen.

Ist nun Hagen, der fränkischen Volkssage entsprechend, die ihn nachspäterer Fassung vonTroja der Franken" bei Tanten kommen läßt, einRepräsentant des Frankentums, so müssen wir nach dem, was wir aus seinemeigenen Munde hörten, auch seinen Volks stamm ursprünglich inWestfalen suchen. Das trifft wieder zusammen mit den Tatsachen derGeschichte, die hier den Ursprung der Franken kennt.

Nun hat aber auch die fränkische Trojasage ursprünglich nicht nur einrechtsrheinisches Troja im allgemeinen als Heimat der Franken gemeint,sondern wir finden sogar in der Chronik des Klosters Moissac statt dessengeradezu Sigambria genannt. Daraus geht hervor, daß die Erinnerungan den wirklichen historischen Tatbestand so stark wär, daß er nicht einfachbeiseite geschoben werden konnte, sondern immer wieder hervortrat, als wollteer die irrigen späteren Ansehungen auf dem linken Rheinufer als solchekennzeichnen. Und nun haben wir tatsächlich auch, nicht nur in der fränkischenStammsage, sondern auch in zwei anderen Sagen ein rechtsrheinischesTroja, das geradezu Elsentroja heißt. Da aber für dieses auch Elsenallein als selbständiger Ortsname erscheint, so dürfte dieser Umstand wiederin verstärktem Maße für Gleichsetz ung mit Aliso bei Oberaden sprechen.

Troja-Elsentroja Elsen bei Oberaden

Elsentroja", nach unseren beigebrachten sprachlichen Unterlagen: Elsen-burg, heißt eine Örtlichkeit in dem fränkischen VolkseposWolfdietrich", vondem schon vor 100 Iahren Grimm annahm, daß sieirgendwo in nieder-rheinischen Gegenden" gesucht werden müsse. Es ist eine unheimlicheUmgebung, in die wir mit diesem Elsentroja versetzt werden. Auch das hiergemeinte Troja oder Troie wird ausdrücklich als eine schon vor langen Iahrenzerstörte Burg bezeichnet: es ist aber eineweite" Feste gewesen. Nichtferne davon findet sich die sog.Babilonie" bei der WüsteRumane y",offenbar eine alte und öde liegende römische Kolonie, die nun vonunheimlichem Getier, namentlich Schlangengezücht erfüllt ist. Wieder-um nicht weit davon findet sich ein Räuberschloß Vrictun, in dem zwölfunheimliche Gesellen Hausen, die von den auf der Volks straße heran-ziehenden Kaufleuten den berüchtigten Räuberzoll erpressen.

In dieser schauerlichen Gegend, die einst die Stätte blühender Kultur undkriegerischer Machtentfaltung gewesen sein muß die Burgruinen zeugendavon, treibt nun auch ein g e s p e n st e r h a f t e s Weib ihr Wesen.Sie wird vom Dichter dierauhe Elfe" genannt und als ein rauhbehaartesWaldweib geschildert, die, aus Rache wegen verschmähter Liebe, Wolfdietrichverzaubert und ihn um seinen Verstand bringt. Hier klingt vielleicht eine vonuns schon früher gestreifte Anschauung durch: daß in der Nähe verfallenerKulturstätten gleichsam dicke, verpestete Luft herrscht, in der Schädigungenfür die unausbleiblich sind, die verwegen genug sind, sich diesen verfluchtenStätten zu nahen. Aber der Bann löst sich wieder bei Wolfdietrich, und auchdaswilde Weib" erlebt eine Verjüngung, indem es zur Sigeminne unddamit zu Wolfdietrichs Gattin wird. Wir werden nun nicht mehr glauben,