17» Aliso in seiner Verknüpfung mit der Heldensage
die hervorstechende Eigentümlichkeit? Was hat uns Dio Cassius über sie alsbesonders bemerkenswert und für ihre strategische Bestimmung wichtig ge-meldet? Daß sie eine von zwei Flüssen, Lippe und Elison, um-strömte Feste war! Wir erkennen deutlich im Gelände noch die Spurender eigenartigen Wassermischung wieder, von der uns der Grllndungsberichtmit einem sehr bezeichnenden Ausdruck Kunde gab.
Und nun wird uns genau dasselbe auch von Troja berichtet. In seinemgroßen Werk: „Aeneas und die Penaten" sagt Klausen: „Die Angabe, daßder Ort von Wasser umgrenzt gewesen sei, ist nicht bedeutungs-
los: wir haben den Namen Troja vielfach in Verbindung mit mehrerensich vereinenden oder nebeneinander herlaufenden Gewässern ge-funden." Aber die Gleichheit ist eine noch viel engere, wenn wir bedenken,daß sie vor allem auch im Namen selbst sich ausspricht, wie es ja auch vonden Franken heißt: „Sie gründeten eine im Namen trojaähnliche Stadt."
Da ist es nun das große Verdienst von E. Krause, in seiner 1893 er-schienenen Schrift: „Die Trojaburgen Nordeuropas" (Glogau, Verlag vonC. Flemming) nachgewiesen zu haben, daß das W o r t T r o j a an sich schon,ohne jede Verbindung mit dem asiatischen Troja Burg bedeutet, im engerenSinne eine mit Wällen umgebene Festung, unter denen sich die Volksphantasiegerne Schlangen dachte. Nach Krause hat sich Olof Rudbeck, der VorgängerLinnes auf dem botanischen Lehrstuhle von Upsala, schon vor mehr als209 Iahren mit der Frage beschäftigt, weshalb wohl in der schwedischenSprache das Wort Troja eine „feste Burg" bezeichne. Ausgehend vonder Annahme, daß in diesem Worte derselbe Stamm enthalten sei, wie inTrum, der Treue, führt er ein altschwedisches Kirchenlied an, in welchem der„getreue Gott" Troo angerufen wird. Über den Namen Troja heißt es hierwörtlich: „In unserer Sprache bedeutet Traeggia einen wohl verwahrtenPlatz, ki-vgMi- sicher und vor Angriffen und Gefahren geschützt, Trojin undTrojenborg eine wohlverwahrte Burg, Troija und Huruislr krSju eineneisernen Brustharnisch." Aber auch im Altdeutschen kommen die Ausdrückekra^e, troie ... als gleichbedeutend mit Wams und Brustharnisch vor . . .,wie man auch heute noch in Ostfriesland ganz ähnlich, wie in Schweden undDänemark, Tröje eine gestickte Jacke für Männer nennt (vgl. Troie beiSchiller und Lübben, mittelniederdeutsches Wörterbuch Bd. IV). Aber auchstark gepolsterte, mit Stahlschienen oder Ringen verwahrte Ritter-wämser trugen denselben Namen (K e t e n t r o i e), und Neidhart spottetüber einen so wohlverwahrten Helden: „seIr?IZ ülaktev iseirrn — ligentirr cler kroien sin." Soweit Krause.
Es wird aber noch eins zu bedenken sein: der Name Troja begegnetauch in der in nordischer Sprache verfaßten westfälischen Nibelungensage.Hier heißt, wie schon früher bemerkt, Hagen stets: „Hagen von Troja".Nach unseren aus Krause gegebenen Auszügen kann unter ihm kein andererverstanden sein als ein Held, der von einer Burg stammt, die an sich schondiesen Namen führte in dem Sinne, daß es eine starke, wohl verwahrteBurg war. Wir wissen aber auch, daß der grimme Hagen sichselbst mit der Beifügung: „ich bin ein Elsenmann" als einen Heldenbezeichnet, dessen Herkunft auch mit Troja (bei Tanten) nicht ursprünglichgenug erfaßt ist, wie er auch selbst sich einen Mann nennt, der infolge großer