Die fränkische Stammsage mit ihrem sugambrischen Heimatboden 169
spricht unserem Eisen bei Oberaden. Doch ehe wir dieses Elsentroja oderEisen betrachten, müssen wir uns mit Troja, der Stadt der Franken, befassen.
„Troja, die Stadt der Franken"
Wenn es schon im höchsten Sinne auffallen mußte, daß von den For-schern Pannia niemals als wirklicher Landesname für Sigambrien ange-nommen worden ist, so muß es ebenfalls als fast unbegreiflich erscheinen,daß Troja nicht so verstanden wurde, wie es die fränkische Stammsage inihrer älteren Gestalt uns schauen läßt. Wir hörten ja schon früher, daß dieFranken nach langer Wanderung das Rheinufer besetzten und „nicht weitvom Rhein", zwischen Rhein, Donau und Meer, eine Stadt gründeten„so wie Troja", aber nicht imstande waren, das Werk zu vollenden, sodaß es liegen blieb. Da ist doch klar gesagt, daß es sich zunächst um dasrechte Ufer gehandelt hat; wie sollte denn sonst die Donau als Grenzehinzugefügt werden können? Aber auch ohnedies ist es doch natürlich, daßein von der Donau ausziehender Volksstamm, wenn er sich am Niederrheinniederläßt, auf dem rechten Ufer sich seine neue Heimat sucht, wenn wirnicht annehmen wollten, daß uns der Rheinübergang verschwiegen worden ist.Da nun von diesem uns nichts berichtet wird, plötzlich aber das links-rheinische Troja als fränkische Hauptstadt erscheint, so bleibt auch hier dieFrage ungeklärt. Das alles läßt ohne weiteres in uns den Gedanken auf-kommen, daß die Darstellung im Anfang völlig ungekünstelt, geschichtstreuer,ohne gelehrte Beimischung und volkstümlicher gewesen ist.
Werden die verpflanzten Sugambrer, die doch den Kern deraustrasischen Franken gebildet haben, gar nichts zu sagen gewußthaben über ihre alte Heimat an Lippe und Ruhr? Es ist auch ganz natürlich,daß sie genauere Beschreibungen ihrer alten Heimat gegeben haben.
Nun begegnet uns die ganz eigenartige und jedenfalls doch auch aufeine Eigentümlichkeit des Geländes deutende Bemerkung: „eine Stadt sowie Troja", „eine trojaähnliche Stadt" (ad instar Troiaenorninis). Wir befinden uns also nach unseren Quellen auf dem rechtenUfer des Niederrheins in einer „verlassenen" Gegend, die eine für die Anlageeiner Burg oder Stadt geeignete Örtlichkeit bot. Diese Stadtanlage muß aberauf die Nachlebenden, welche die Örtlichkeit kannten, den Eindruck, als wäresie nicht vollendet worden, gemacht haben. Da aber eine solche Annahme nichtdem wirklichen Tatbestand entsprechen kann, — denn, wie könnte ein Volk,das sich jahrelang in dieser Gegend aufhielt und zu Macht und Ansehengelangte, seine Hauptstadt unvollendet lassen? — so müssen wir nach eineranderen Erklärung suchen.
Sie ist bereits in zutreffendster Weise von Cramer gegeben worden,freilich in bezug auf das linksrheinische Troja, aber so, daß sie auch aufunsern Fall paßt, wenn der Verfasser bemerkt, es handle sich offenbar umRuinen, die ja auf naive Naturvölker so leicht den Eindruck von „nichtvollendeten Bauten" machten. Dann bleibt noch die Frage nach dem Namenselbst, der auch in irgendeiner Hinsicht an Troja erinnerte.
Wir lassen nun noch einmal Aliso bei Oberaden, in dem wir,um es gleich zu sagen, auch das Troja unserer Sage wieder zuerkennen glauben, vor unser Auge treten. Was war an dieser Anlage