IM Aliso nach der Varusschlacht und in spätrömischer Zeit
bei größeren Verhältnissen als Königreiche, ihre Bewohner als Zentiles oderrömische darbn i-i. Im gewöhnlichen Sprachgebrauch sind die geir-kiles wie die dnrbnri die nicht reichsangehörigen Ausländer. Überall liegtdabei zugrunde das koecius, ein nicht durch einen Termin, sondern eineneinzigen Zweck begrenzter oder auf ewige Wasfengemeinschaft undReichsangehörigkeit gestellter Vertrag." So mag in der Tat wohlauch noch jenes bis in die Gegend von Lippstadt reichende Vorland als losemit dem Reich verbunden gegolten haben, wenn es auch nicht mit zu den„civikateL", den fünf unter unmittelbarem Reichsschutz stehenden Volks-gemeinden, gerechnet wurde. Dazu würde gut passen, daß der Versuch desGallienus, dies Bündnis noch mehr zu befestigen, gerade den ent-gegengesetzten Erfolg hatte. Als Roms Kaiser sich genötigt sah, seinenAußenbezirk selbst unter germanischen Grenzschutz zu stellen, neigte sichdas Schwergewicht der verschobenen Verhältnisse auf die Seite der Germanen.Der römische Einfluß machte freilich sich noch lange geltend, und es mochteimmer auch noch eine römerfreundliche Partei im Lande geben, wieArbogast ihr sicher angehört hat, der eben darum vertrieben wurde undnun vollends sich dem Römertum verschrieb, um gar an der Spitze römischerHeere gegen seine eigenen Stammesgenossen zu marschieren.
Aber schon hatte sich auf dem Boden der unter Römerschutz stehendenVolksgemeinden ein neuer Verband gebildet, nämlich der Frankenbund.
V. Die Ursranken an den Stützpunkten der römischen Machtim Lippe- und Ruhrland
Das sinkende Römertum hatte sich selbst diesen gefährlichen Gegner groß-gezogen, indem es mehr und mehr dazu überging, auch aus dem über-rheinischen Land sich seine Rekruten zu holen. Kaiser Probus (276—282)hatte freilich den diplomatischen Grundsatz bei dieser Methode aufgestellt: „esdürfe nicht zum Vorschein kommen, daß der zusammenbrechende Römerstaatdurch Varbareuarme gestützt würde: aber inzwischen war das ganze Grenz-schutzsystem in steigendem Maße un militärisch geworden.
Schon in besseren Zeiten traten bedenkliche Gradunterschiede in der Be-wertung der an den Grenzen stehenden Truppen hervor, indem auch sog.rrurireri, Soldaten dritter Klasse, formiert wurden, Verbände, die aus Aus-ländern jeglicher Volksgattung ergänzt wurden. Es fehlte auch nicht an Sar-maten, die später mit dem Namen der Hunnen bezeichnet wurden, den Christenspäter schlechthin als Heiden schrecklich und unheimlich. Bei den „Hunen-pädden" oder „Heidenstraßen" mögen Erinnerungen an diese Sarmaten mit-gewirkt haben. So würde sich auch der Name „Ägypten" für das an dasRömerlager bei Oberaden angrenzende Gebiet erklären.
Aber Mommsen redet von einer noch tiefer stehenden Gattung römischerGrenztruppen, die den Spottnamen „Zwiebacksoldaten bucel-Inrii" sich hatten gefallen lassen müssen. Die Bildung dieser Verbände bezeichnedie Usurpation der militärischen Macht durch Private. Die Herren hätten inden aufgelösten Verhältnissen der spätrömischen Zeit ihren unfreien LeutenWaffen in die Hand gegeben und durch sie dann die öffentliche Sicherheit be-