1Z8 Aliso nach der Varusschlacht und in spätrömischer Zeit
und in allen Einzelheiten entspricht; zeigt doch, wie wir schon wissen,auch diese Linie die eigentümliche Einknickung von Westen nach Osten. Währendan der Heeren-Weroer Tüte der Tüten-Wall selbst und der „Tütengraben"— die vom Teutheck herkommende „Teutenbecke" — noch deutlich zu erkennensind, erinnern wir für unsere Lippe-Seseke-Körne-Linie noch einmal an denWoiern-Wall und den sog. „Lütke-Wall". Aber auch die Heeren-Werver Tüteist nach Norden weiter bis zur Lippe und südlich weiter bis zur Ruhr gegangen,denn nicht nur die Heerener Tüte findet auf dem rechten Sesekeufer ihreFortsetzung, sondern auch die Werver Tüte. In Altenbögge nördlich Werveheißt nämlich das nach Süden liegende Gelände die „großeTüt e". Weiterüber Altenbögge hinaus haben wir das Dorf Lerche, dessen Name aus LetrikeSchutzhecke entstanden ist. Nördlich der Lippe aber begegnen bei Itt-lingen wieder auf der Kibitzheide Wallreste, über die schon Hülsenbeckberichtet hat. Sie würden, sagt er, nach Süden verlängert, auf Stockum ge-gangen sein, nach Norden aber über Rinkerode hinaus die Ems erreichthaben.
Wenn wir den Wall der Werver Tüte nach Süden verlängern, so habenwir in MühlHausen wieder einen schon 1486 genannten Hof Toyt-mann. Damit in gleicher Richtung zieht, wiederum weiter südlich dieFrömerner Landwehr, noch in Resten erhalten. Sie würde östlichLangschede die Ruhr erreichen, wo mit dem Namen Lange Scheidenichts anderes gesagt ist, als mit der „Großen Tüte" zu Altenbögge. DasVolk hat sie als S t a m m e s g r e n z e n unterscheiden wollen von kleinenTüten oder Gemeindegrenzen. So hat also das Volk den Ursprung dieserLinien als etwas Außerordentliches, Unheimliches empfunden, wie sich dasin den verschiedenen Namen ausspricht, die es alten Erdwerken überhauptbeilegte.
Doch wir finden, wie uns erinnerlich, auch zwischen Scheda an der Ruhrund Lippborg an der Lippe noch eine Landwehr, die wir schon eingehendbeschrieben haben. Wir setzen sie jetzt mit den beiden westlicheren Linien inBeziehung und finden nun erst das letzte Glied in der Kette der römi-schen Grenzsicherung, der nach Ansicht der genannten oberrheinischen Limes-forscher im Bereich des dortigen Limes folgende Voraussetzung außer derschon gekennzeichneten Regel der Doppelanlagen zugrunde liegt.
Da die Erfahrung gelehrt haben mochte, daß auch zwei Wehrlinien nichtausreichenden Schutz boten, wurde das Gebiet jenseits der vorgeschobenenLinie auch noch in einen, freilich loseren Zusammenhang mit dem ganzenGrenzschutzsystem gebracht, indem es als Freiland erklärt wurde, in demjede Ansiedlung verboten war. Auch diese Zone war durch eine Liniegekennzeichnet, die mehr oder weniger befestigt sein mochte. Dieses „Frei-land", das in gewissem Sinne auch schon den Germanen in ihren Öd-grenzen wohlbekannt gewesen war, wurde von den von der mittlerenLinie ausgeschickten Aufklärungs- und Wachkommandos durchstreift, die vonjeder verdächtigen Bewegung sofort Meldung zu erstatten hatten. Zu diesemDienst waren die Exploratores oder Kavalleriepatrouillenbestimmt. Gelang es dem Feinde nun doch, an die mittlere Linie heran-zukommen, so kam es darauf an, ihm den Durchgang zu wehren. Die Streckenzwischen den Toren waren durch aufgepflanztes Strauchwerk und wild