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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Vermutungen über spätrömische Grenzsicherung 1S7

So scheint mir die ganz eigenartige, künstlich geschaffene Siedlungsformvon Heeren-Werve nicht anders als eine eingebaute Kriegs- oder Ver-teidigungsanlage zu sein. Da ähnliche Einrichtungen aber auch inden klassischen Quellen genannt werden, seien ihnen noch einige Worte ge-widmet.

Wir hören bei Orosius, daß von Drusus und Tiberius nach Unter-werfung Jnner-Germaniens Besatzungsmannschaften in der Richtung derrömischen Etappenkastelle am Limes entlang verteilt worden seien. IhreWachthäuser, unmittelbar am Limes gelegen, seien vom VolkeBurgen"genannt worden. In der Passiv Sigismundi lesen wir dann noch: dieseWachmannschaften hätten sich zu einem Bund zusammengeschlossen,seien von ihren Posten aufgebrochen und unter der Regierung des KaisersValentinianus nach Gallien eingebrochen. Wenn auch der Versuch der betr.Schriftsteller, uns auf diese Weise den Namen derBurgunder" von derBesatzung der Limeswachthäuser zu erklären, abzulehnen ist, so steckt doch inder Nachricht, ein tatsächlicher Kern; denn, wie wir aus Inschriften wissen,haben die Wachmannschaften aus den Lim es türmen diese Türme wirk-lich Burgen genannt, so daß wir ein für unser Gebiet durchaus zutreffendesBild gewinnen. Wir sehen, wie wir schon früher annahmen, die Grenz-sicherungen entstehen mit den Türmen und ihren Besatzungen. Wir brauchennur zu erinnern an die sowohl am oberrheinischen Limes wie auch an unserenTeuten östlich Oberaden in bestimmten Abständen sich aneinanderreihendenHünensagen von der Ruhr bei Langschede bis Heil a. d. Lippe undan unsere tatsächlich nachgewiesenen Türme, und wir glauben nun wirklichin ihnen Einrichtungen nachgewiesen zu haben, wie Orosius sie erwähnt.Diese rnilites Iiimituirei oder Grenzwächter waren nichts anderes,als was das Volk einenTütmann" nannte.

Doch wir stützen uns dabei nicht nur auf die bisher vorgelegten Beweisedes römischen Charakters desbeilaufenden Turmes" und der typischenSagen, sondern vielmehr noch auf ein Kennzeichen, das den römischenCharakter unserer Wehrlinien, soweit ich urteilen kann, außer Zweifel stellt.Es ist das Verdienst Zangemeisters, dem sich auch Fabriciusanschloß, uns über einLimesproble m", nämlich über das Vorkommender auffallenden D o p p e l l i n i e n, wie am Mümling zwischen Main undNeckar, aufgeklärt zu haben. Diese bewährten Limesforscher legen diesenDoppellinien, die in einem Abstand von 20 und mehr Kilometer das Landdurchziehen, eine besonders große Bedeutung bei und sehen darin einefür römische Grenzabsetzung und Grenzsicherung so charakteristischeErscheinung, daß nach diesem Vorkommen mehrerergleichlaufender Linien mit genügendem Abstand von-einander auch in den Gegenden römische Grenzliniennachgewiesen werden könnten, wo sie bislang noch nichtzu finden waren. Da war es mir denn eine erfreuliche Bestätigungdieser Grundregel für Ermittelung eines Limes im Gelände, als mir klarwurde, daß auch die H e e r en - W e r v e r Tüte mit der von uns beschrie-benen Einknickung nichts anderes sein kann als der Bestandteil einer großenrömischen Gesamtanlage, weil sie tatsächlich der von Norden nachSüden, den Seseke-Körne-Winkel durchziehenden Wehrlinie aufs genaueste