136 Aliso nach der Varusschlacht und in spätrömischer Zeit
die „T ü t e", nach der noch heute jene Straße ihren Namen hat, deutlich nochals breiter Wall ^ sichtbar ist. Derselbe läuft der Straße parallel in einerSohlenbreite von etwa 12 irr, einer Höhe von 2 irr und einer Länge vonS66 irr. Ich benachrichtigte sofort den zuständigen staatlichen Vertrauensmannfür kulturgeschichtliche Vodenaltertümer, Herrn Direktor Bänfer-Hamm, vonder Entdeckung, der dann auch bald erschien und die Feststellung imvollsten Umfang bestätigte.
Diese Tüte oder Teute (Toyte) ist also auch hier Grenze gewesen.Es ist aber wohl zu beachten, daß auch >verk selbst Ufer oder Dammbedeutet. Einen solchen müssen wir also auch für Werve annehmen, das schonim 11. Jahrhundert unter diesem Namen begegnet. Außerdem aber liegtdiesem Worte noch der Begriff der Drehung zugrunde. Bei der Türangel-drehung wird heute noch der Zapfen der „Werfnagel" genannt. Sosicher also der Tütenwall bei der Benennung Werves maßgebend gewesen ist,ebenso sicher wollten die ersten Siedler hier auch zum Ausdruck bringen, daßdie >vei-1 oder Tüte sich drehte, eine andere Richtung annahm.
In welchem Sinne dies zu verstehen ist, sollte ich bald durch HerrnLehrer Timmermann in Heeren-Werve erfahren. Schon das „Schatzbuch inMark" von 1486 zeigt uns die alten Höfe der SchwestergemeindenHeeren-Werve in der Anordnung eines gedruckten großen lateinischen dl,indem vom Teutheck aus eine ebenfalls Teute genannte Linie scharf nachSüdwesten einspringt. Diese läuft dann bis zur sog. „K l i n g e l s ch e l l e",etwa 16 üirr südlich von Schloß Heeren, biegt dort scharf nach Norden umund zieht über Rottum zur Lippe. In Rottum begegnet nach dem Kirchen-buch der evangelischen Gemeinde Kamen 1624 „Evert Seuster auf der Teute".
Wir wenden unsere Aufmerksamkeit zunächst dem Abschnitt zu, der beimVolk heute noch die Bezeichnung „in der Tüte" führt; es ist das dieinnere Linie zwischen dem „Teutheck" und der „Klingelschelle". Auf dieserStrecke und ebenso auf der von der „Klingelschelle" bis zum Schloß Heerenist das Gebiet der Teuten besiedelt gewesen und zwar in der Art, daßdie Häuser selbst in dem den Wall begleitenden Graben stehen, währenddie Hausgärten auf dem Wall liegen. Das Verdienst, diese eigenartigeSiedlungsform zuerst erkannt zu haben, gebührt wieder Herrn Timmermann.Auch der Name des Dorfes, das 1178 als Herne erscheint, wird auf diesenWall hindeuten, denn Irere, lrereir, Irurr bezeichnet die „Schneide".Wie in Werve heute noch der Name Tütmann für einen in enger Ver-bindung mit dieser Wehrlinie auftretenden Hof begegnet, so werden ursprüng-lich alle Anwohner ein Anrecht auf diesen Namen gehabt haben.
Dieser Siedlungsform scheint nun einmilitärischesWehrsystemzugrunde zu liegen, denn sie erscheint uns wie eine in die Grenzlinie ein-gebaute festungähnliche Anlage. Jedenfalls bot die als „K l i n g e l s ch e l l e"vordringende Spitze der „Teute" eine vorzügliche Verteidigungsstellung.Klinge ist übrigens eine auch im oberrheinischen Limesgebiet sehr oftauftretende Bezeichnung für den den Wall begleitenden Graben und be-deutet auch auf unserm Gebiete eine Rinne. „Schelle" scheint mir aussolrel ^ „schief" entstanden zu sein. Somit würde auch hier eine Drehungangedeutet sein. Wie alt die Anlage ist, deutet auch der in das System ein-bezogene Bach an, der bezeichnenderweise „Teiken decke" heißt.
l Abbildung Taf. 3.