134 Aliso nach der Varusschlacht und in spätrömischer Zeit
wie von Türmen (!) vergiftete Pfeile auf die Römer. Als nun die Römer,des Geländes unkundig, sich zu retten suchen, versinken sie zu Tausenden indie Sümpfe. Dort werden die Legionen mit leichter Mühe niedergemacht.
In den folgenden Iahren sehen wir dann den Franken Arbogast,den Heermeister der Römer, den Rachekrieg gegen die fränkischen KleinkönigeMarcomere und Sunno mit dem Hasse betreiben, der zwischen Volksgenossenso furchtbar ist, wenn ein vaterlandsloser Streber die Sache des National-feindes vertritt, durch den er hochzukommen hofft. „Argobast, der ja dasschwierige Gelände seiner Heimat gut kannte, hatte absichtlich einen kaltenWinter zum Angriff ausgesucht, weil dann die Sümpfe zugefrorenund die Bäume ohne Blätter waren. So rückt er denn von Trier aus, woer den Winter zugebracht hatte, auf Köln, überschreitet den Rhein, greiftdie Brukterer an, verwüstet auch den Gau der Chamaven. Aber derFeind stellte sich nicht zum Kampf. Nur einige wenige Ampsivarier undChattuarier erscheinen unter Führung des Marcomer auf den weiter imLande liegenden Bergeshöhen."
Es ist nun ein eigenartiges Zusammentreffen von Geschichte undVodenforschung, daß im Seseke-Körne-Winkel, wie wir früher dar-gestellt haben, uns Scherben beschert wurden, die gar nicht anders zu deutensind als im Zusammenhang mit dem eben geschilderten Kriegszug desArbogast. Wie sollten denn sonst spätrömische Tongefäße aus demEnde des 4. Jahrhunderts in diesen Flußwinkel gekommen sein? Da damalsdie Verhältnisse zwischen den Römern und den Stämmen im Lippe- undRuhrland äußerst gespannt waren, ist auch nicht anzunehmen, daß es Gegen-stände friedlichen Handels seien, ganz davon abgesehen, daß auch schon derName „Turm" auf eine militärische Anlage schließen läßt.
Aber auch der Name der Chattuarier, die unzweifelhaft an dermittleren und unteren Ruhr wohnten, bietet uns dafür Gewähr, daß dieserZug bis in unsere Gegend gegangen ist, von wo der Blick bis an den Nord-rand der sauerländischen Berge schweift. Durch die Erfahrungen im Krieg mitJulian gewitzigt, werden nun auch die in den Bergen wohnenden Stämmeihre Wachtposten ausgestellt haben. So erklärt sich am besten die Notiz vondem Erscheinen von Truppen auf den benachbarten Bergeshöhen.
Weiter ist es aber auch von höchster Bedeutung, daß sich an die letztenspätrömischen Scherben am „beilaufenden Turm" südlich Kamen eine anders-geartete Gruppe von Tonbruchstücken anschließt, die entschieden unrömischsind, nämlich als einheimische Ware sich darstellen. Das ist doch ein untrüg-liches Zeichen für die Tatsache, daß die Römer diese von ihnen periodischdurch fast 4 Jahrhunderte so zäh behauptete Stelle nie wieder betreten haben.Von nun an traten die Germanen wieder als die rechtmäßigen Besitzerdieses strategisch wichtigen Punktes auf. Von ihrer Anwesenheit auf ebendiesem kleinen und doch so bedeutungsvollen Stückchen Erde zeugte uns jaschon für die Bronzezeit (180V—8VV v. Chr.) der Bronzeanhänger einesHalsschmuckes.
Wie die Römer auf der Burg in Elfe bei Oberaden die Viehtränke ausder Bronzezeit verschütteten, so zerstörten sie also im Westicker Feld ebenfallseine dieser Zeit angehörende Siedlung. Was für Einzelheiten auf dem Gebietder Geschichte diese Stätte erlebt hat, können wir jetzt noch nicht sagen. Doch