159 Aliso nach der Varusschlacht und in spätrömischer Zeit
III. Späterer römischer Reichsbesitz im Lippe- und Ruhrlandbis in die Zeit des Kaisers GaUienus (250 n. Chr.)
„Aus einer der Veroneser Kapitularbibliothek gehörenden Handschriftwurde bereits im Jahre 1742 ein Verzeichnis der Provinzen des römischenReiches abgedruckt, das noch keiner bisher benutzt hatte."
Mit diesen einleitenden Worten beginnt Müllenhoff seine Abhandlung:„Verzeichnis der römischen Provinzen aufgesetzt um2 9 7." Es ist das Verdienst Mommsens, uns dies wertvolle Dokument, dasgerade für Westfalen in römischer Zeit von höchster Bedeutung ist, entdecktzu haben. Wir geben nun nach dem in den Abhandlungen der Kgl. Akademieder Wissenschaften 1862 enthaltenen Vortrag von Mommsen mit einem An-hang von K. Müllenhoff auszugsweise die Gedanken wieder, die für unsernZweck uns wichtig erscheinen. Zunächst das Verzeichnis selbst: Xominu pro-viociurriur oirririuirr. Xonrinu civitutuirr truirs ülrenuirr lluvium<zuue surrt. Ilsiporuur Vubuutuur Xictreirsinm dlovuriesu Eusu-urioruur. Istue ourues civitutes truus Ulreuuirr iu koruruluirr Lei-Zicue priurus rocluotue. Rruirs custelluur iVloirtiucoseuuur OXXXleuZus truns Ulreiruur kouruiri possecleruut. Istuo civitntes subLluIIieuo iurperutoro u kurkuris occuputue suirl. In deutscher Über-setzung: „Die Namen sämtlicher Provinzen. Die Namen der jenseits des Rheinsgelegenen Volksstämme. Usipeter, Tubanten, Nictrensier, Novarieser,Casuarier. Diese sämtlichen Volksstämme jenseits des Rheins waren deröolgiou I zugeteilt. Über das Kastell bei Mainz hinaus besaßen die Römer89 Leugen jenseits des Rheines. Das Gebiet dieser Volksstämme ist unterdem Kaiser Gallienus von den Barbaren erobert worden."
Nach den Feststellungen Müllenhoffs handelt es sich in diesem Anhangzum Provinzialverzeichnis vom Jahre 297 um Usipeter, Tubanten, Casuarier,Tenkterer (für die verschriebenen Nictrensier) und um einen offenbar völligverschriebenen Volksstamm Novarisier. So weit aber ist deutlich, daß wir indiesen Völkern die Stämme vor uns haben, welche in der Zeit des Gal-lienus (233—268) von östlicher wohnenden Stämmen besiegt wor-den sind, so daß ihr Gebiet diesen zufiel und den Römern verloren ging.
Die Forscher haben nun viel über die Frage verhandelt, welches Kastellin der Berechnung der 89 Leugen als Ausgangspunkt anzunehmen istund sind fast alle darin einig, daß es sich um das Mainz gegenüberliegendeCastel, das heute noch diesen Namen führt, handeln müßte. So ist dennder Name Montiocesenam in „Mogontiacensium" verändert worden. Es be-steht aber, worauf hinzuweisen ich mich für verpflichtet halte, die Möglichkeit,daß es sich um den Montenberg, einen römischen Stationsort zwischenTanten und Calcar, gehandelt hat. Indessen kommt auch in diesem Fall dieBerechnung zu demselben Ergebnis.
Achtzig Leugen, das in diesen Gegenden übliche gallische Wegemaß, ent-sprechen rund 176 ürrr. Ob wir diese nun die Lippe aufwärts von Westennach Osten, also von Montenberg aus, oder von Castel (Mainz) aus vonSüden nach Norden rechnen, in beiden Fällen kommen wir in die Gegend vonL i p p st a d t.