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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Das Kastell Aliso als Limeskopf östlich Oberaden

oder in die Zeit des Caligula fällt. Und eben in dieser Zeit war auch derZug gegen die Marsen. Dieser kann nicht anders als wieder auf der Lippe-Seseke-Haarstrang-Linie vor sich gegangen sein und führte zum VarianischenSchlachtfeld.

Auch für die Unternehmungen des Jahres 59, wo der Mainzer Legatim Rücken der Chatten, der Kölner aber unmittelbar nach Nordosten vorrückt,muß ein militärischer Stützpunkt angenommen werden. Natürlich hat derBataveraufstand, während dessen an der Mittel-Lippe die VolksprophetinVeleda waltet, seine Fluten auch auf das ganze Militärschutzgebiet derRömer hinübergewälzt. Mit Recht vermutet deshalb Sadee, daß auch Alisodamals verbrannt worden ist. Nach erfolgter Rückeroberung müßte dannauch von hier aus die Neuaufrichtung der römischen Herrschaft erfolgt sein,weil wir im Jahre 83 eine Kohorte der Usipeter in Britannien finden, und auchdie Tenkterer und Brukterer seit 79 n. Chr. wieder römische Untertanen sind.

Auch als Königsmacher treten die Römer auf. Unter Nerva hatsogar der Legat von Niedergermanien bei den Brukterern mit römischerWaffengewalt einen König wieder eingeführt. Solche Einmischungen in dieinneren Verhältnisse der Germanen, die also eine gewisse Selbstverwaltungbehalten zu haben scheinen, sind ohne feste Stützpunkte der Römer im Landegar nicht denkbar. Von ihnen aus scheint denn auch mit überlegener römischerDiplomatie die Zwietracht und das Parteiwesen unter den angrenzendengermanischen Stämmen mit bestem Erfolg wachgehalten worden zu sein.Die Römerpartei ist mit allen Mitteln einer überlegenen Kultur angelockt undgeblendet worden. Auch an Bestechungen durch Gold und andere Kleinodienwird es nicht gefehlt haben.

Aber wenn auch unser Versuch, die Verhältnisse auf dem rechten Uferdes Niederrheins wieder zur Anschauung zu bringen, nicht in allen Einzel-heiten zutreffen sollte, so haben wir doch Gelegenheit bekommen, durchBodenfunde in die Militärverhältnisse der Römer im rechtsrheinischen Nieder-germanien überraschende Blicke zu tun. Es handelt sich nämlich um die mitdem StempelRegularin transrUeiruiru"llberrheinische Ziegeleien"versehenen Ziegel. Schon diese Fundstücke lassen den Schluß, daß es sich aufdem rechten Ufer des Niederrheins nur um kulturelle Beziehungen gehandelthabe, hinfallen. Die genannten Ziegel gehören in die Flavische Zeit (70195).Sadee vermutet, daß als Herstellungsort derselben vielleicht die Tonlager inSchermbeck, 39 Um östlich Tanten in Frage kämen.

Fassen wir nun alle beigebrachten Tatsachen noch einmal ins Auge undziehen wir aus ihnen den einzig möglichen Schluß, so müssen wir annehmen,daß es nicht nur einen oberrheinischen, sondern auch einen niederrhei-nischen Limes gegeben hat. Wir sagen nun: Dieser Limes geht zurückauf die Grenzsicherung des Germanicus, wenn er auch in einzelnen Teilenperiodisch vorgeschoben oder zurückgenommen sein mag. Auch für ihn nehmenwir daher den Seseke-Körne-Winkel als festen Punkt an. Doch haben wiruns zunächst noch mit einem Aktenstück zu beschäftigen, das uns für diesenniederrheinischen Limes feste Unterlagen bietet.

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