Das Kastell Aliso als Limeskopf östlich Oberaden 145
so brauchte er freilich nicht genau an demselben Platz zu liegen; ist ja dochauch bei Vetera das neue Lager der 3V. Legion an dem Ort der zerstörtenFestung der 5. und 15. Legion gewesen. Jedenfalls hielt Rom noch lange dieGegend rechts des Rheins in der Hand . . . Auch die Spuren des Lagers der30. Legion bei Tanten sind über dem Boden völlig verschwunden, daß wirheute seine genaue Lage noch nicht kennen. Jedenfalls war noch bis über dieHälfte des 3. Jahrhunderts ein ziemlich großes Gebiet rechts vom Nieder-rhein in römischer Botmäßigkeit." Endlich füge ich diesen sehr treffendenAusführungen aus der jüngsten Zeit der Alisoforschung noch ein Urteil ausden früheren Jahrzehnten hinzu: v. Veith, ein militärisch gut unterrichteterForscher, weil selbst Offizier, meinte, wenn einst Aliso unzweifelhaft entdecktsei, würden jenseits der Festung für die spätere Zeit die von Westen nachOsten ziehenden Straßen aufhören und durch eine befestigte Nord-Süd-Linieals abgeriegelt erscheinen. Es ist gut, daß dies Urteil abgegeben wordenist zu einer Zeit, als von Oberaden und den sich östlich dieses Römerplatzeshinziehenden Grenzbefestigungen noch nichts bekannt war. Auch freue ich michversichern zu können, daß mir die Sadeesche Untersuchung erst im Anfangdieses Jahres (1929) bekannt geworden ist. So ist die Übereinstimmung mitmeinen Annahmen um so wertvoller; besonders auch darum, weil die Ent-deckung des römischen Seseke-Körne-Winkels in dem Aufsatz noch gar nicht inAnsatz gebracht worden ist. Es ist mir ferner eine große Freude, auf Forscherauch noch früherer Zeit hinweisen zu können, die mit Nachdruck betonten, daßvon einer völligen Räumung des rechten Ufers des Niederrheins für die Zeitnach Germanicus nicht geredet werden dürfe. Unter den Vertretern dieserAnsicht findet sich auch Mommsen, der in seiner Röm. Gesch. Bd. V ausführ-licher auf den Gegenstand eingeht und bemerkt, daß auch weiter das Weide-vieh der römischen Besatzung von Vetera im Münsterland gegrast habe;besonders betont er auch, daß die von den Römern unter den Sugambrernveranstalteten Aushebungen auf eine Behauptung der Römerhsrrschaft auchunter diesem Volksstamm schließen lassen. Auch ein westfälischer Forscher,Prof. Wormstall-Münster, hat in seiner Schrift: „Die Herkunft der Franken"schon 1869 sich für die Annahme einer viel längeren Römerherrschaft imwestlichen Teil des heutigen Westfalen eingesetzt.
So unbegreiflich es ist, daß diese Ansichten nur sehr vereinzelt auftreten,so folgenschwer war, wie uns deutlich geworden ist, die Auswirkung diesesStandpunktes für die Alisoforschung, sonderlich für die Beurteilung des Lagersbei Oberaden. Aber nun ist die Forschung auf einen neuen Boden gestelltworden, indem für die Annahme von Gelehrten, wie Mommsen, Wormstall,v. Veith und Sadee die bestätigende Grundlage durch unsere Boden-funde östlich Oberaden gegeben ist. Denn selbst wenn bei diesen zunächstder Schluß auf militärische Anlagen in Zweifel gezogen und die Möglichkeitoffen gelassen würde, daß es sich vorwiegend um kulturelle Beziehungen zwi-schen Römern und Germanen handelte, bliebe unsere Auffassung unerschüttert.Wir kennen nun die Gegend östlich Oberaden, den breiten Landstrich zwischenLippe und Ruhr, die Grenzmark der Römerherrschaft in den folgenden Jahr-hunderten, so weit, daß wir hier vornehmlich die Ereignisse sich abwickelnsehen dürfen, zu deren Schilderung wir nun übergehen.
Im vierten Teil seiner lichtvollen Abhandlung stellt also Sadee unter
Prein, Aliso und die Varusschlacht 10