Das Kastell Aliso als Limeskopf östlich Oberaden 143
einer Höhe (91,1), die einen ganz überraschenden Fernblick bietet, so stößtim Seseke-Körne-Winkel die Südstraße an einer Stelle auf die Sperrlinie,mo durch den Zusammenfluß zweier Bäche sich ebenfalls in eigenartiger Weisefür eine Verteidigungsanlage die denkbar günstigsten Vorbedingungen boten.
Wir werden also drei strategische Einzelpunkte bei diesem Limeskopf insAuge fasten müssen: nördlich der Seseke am westlichen Abhang des Tödding-häuser Berges das „Türmche n", südlich der Seseke den „b e i l a u f e n d e nTur m" und 799 irr nordwestlich den „Keveling", der unmittelbar im Fluß-winkel liegt und auch als ergiebige Fundstelle uns schon bekannt ist. Wirlegen keinen allzu großen Wert auf die Bedeutung des Namens „Keveling ^Kampfstelle", sprechen aber dennoch diese Stelle als eine Örtlichkeit vonmilitärischer Bedeutung an; denn wie sollten sonst die römischen Scherben,darunter auch zwei ausgesprochene Oberadener Typen, hier in den Bodengekommen sein? Da sich unter ihnen auch eine mächtige Amphorenscherbebefindet, so könnte ich auch hier das an Oberaden bewährt befundene Gesetz,daß sich solche Standgefäße nur in römischen Daueranlagen finden, in An-wendung bringen. Dann müßte hier ein Kastell angenommen werden.Da diese Anlage auf jeden Fall mit dem Elison in dem denkbar engsten Ver-hältnis gestanden hat, so könnten wir sogar die Vermutung aussprechen: hierdürfte das Kastell Aliso gelegen haben. Wir üben aber Zurückhaltung,trotzdem bei der Vergleichsstellung von Lippeuferkastell und Alisokastell dieserSchluß so nahe liegt. Jedenfalls ist nun nicht mehr zu leugnen, daß wir,4 stur südöstlich vom Drususlager am Alisofluß eine römische Positionhabkn, die, wenn sie überhaupt einen Namen hatte, kaum anders als wiedernach demselben Fluß genannt sein konnte. Es ist wohl auch kein Zufall,daß wir auch auf die Form Alisus stießen, die noch mehr als die übliche,Aliso, einen engen Zusammenhang mit dem Bach andeutet. Denn wenn dieSeseke nach alten Werdener Heberegistern des 19. Jahrhunderts Susil-becke, in späteren Zeiten S y seke heißt, so scheint mir eben auch neben deruns geläufigen Form die andere, Alisus, Beachtung zu verdienen. Wie esmindestens zwei Lippekastelle gegeben hat, so würde es nicht im geringstenBedenken erregen, den klassischen Bach Elison, der in vollerer SchreibungAlison und daneben auch Alisus geheißen hat, zweimal vertreten zu finden.Dann wäre das Kastell, das sich begreiflicherweise als ausgesprochene Ver-teidigungsanlage noch enger an den Fluß und in den Flußwinkel hinein-drängen mußte, auch durch den Namen Alisus als eine Teilanlage derMilitärstation Aliso bezeichnet gewesen.
Doch mag es des Fragens genug sein, und überlassen wir das weiteredem Spaten. Uns genügt, die Berechtigung der Bezeichnung „LimeskopfAliso" für unsern Grenzabschluß dargetan zu haben. Es drängt sich uns abernoch ein Gedanke auf. Bekanntlich ist der Schlußsatz des so viel erörtertenKapitels Tacit. Ann. II, 7: „Und das ganze Gebiet zwischen dem KastellAliso und dem Rhein befestigte er (Germaniens) gründlich mit neuen Straßen-linien und Grenzwehren" heiß umstritten, was wir ebenfalls schon im Ein-gang unserer Schrift betonten. Es ist nun die Frage, ob die linrilss undugZeres in gleichlaufender Verbindung zu denken sind, wie Oxe es tut, derannimmt, daß der uZger der in der Mitte aufragende Damm, die liurikesaber die breiten Begleitstreifen sind; oder ob wir unter den IiirUls8 die