Das Kastell Aliso als Limeskopf östlich Oberaden 141
erreichen: Das Werk seines Vaters in der Gegend wieder aufzurichten,wo dieser seine größte Gründung, Aliso bei Oberaden, vorgenommen hatte.Darum auch die Wiederherstellung des Drususaltars und die Parade vordemselben beim Rückmarsch. Was war nun der wirkliche Erfolg? WieTacitus uns in Worten, die andeuten, daß es sich um den glücklichen A b -schluß eines großen Werkes handelt, meldet: Nun endlich konnte dasWerk (welches Tiberius angefangen und Cäcina weitergeführt hatte), alsbeendet angesehen werden.
Also hat Germanicus über das Lippekastell hinaus an der Seseke, demElison, herauf den Limesbau bis zum Seseke-Körne-Winkel weitergeführt.Nun erst hatte das ganze Vorland vom Rhein bei Vetera östlich bis zurMittel-Lippe wieder eine auf den festen Grundlagen Tiberianischer Politikaufgebaute Wegeverbindung und Straßenkastelle, vor allem aber auch einenfesten Grenzabschluß mit dem zu fordernden Limeskopf, dem KastellAliso. Dies alles, was Germanicus im Frühjahr 16 n. Chr. tat, um dasProgramm seines Oheims Tiberius zu Ende zu führen, geschah also zwischenLünen und Kamen, wenn wir zwei Orte nennen sollen, die uns sofortdie nötige Orientierung geben.
Ich glaube sagen zu dürfen, daß wir auf dieser Strecke, an der Seseke(Elison) entlang die Reste dieser Heerstraße noch in schwachen Spuren nach-weisen können. Tatsächlich brauchen wir nur von Vetera, gegenüber derrömerzeitlichen Lippemündung, eine gerade Linie zu ziehen, so geht diese überRecklinghausen, Lünen, dann Seseke aufwärts auf dem linken (südlichen)Bachufer nach Niederaden (gegenüber Oberaden). Südlich gegenüber dem„Breloh", zwischen diesem und dem Hause Oberfelde, gabeltsich die Straße,und das hat seinen guten Grund, denn nun mußte diese Heerstraße, wennsie nicht bloß bis zum Ende im Westicker Felde (südwestlich Kamen) auf demlinken Ufer verlaufen wollte, die Seseke überschreiten. In überausgünstiger Weise bot sich hierfür der Abschnitt des Flusses dar, der zwischender Adener Mühle und der Dorfmitte von Oberaden liegt. Hier hat derhistorische Bach auf 1 Um Länge eine scharfe Süd-Nord-Richtung, als wollteer gerade durch die Drususfestung Aliso zur Lippe fließen. Die wichtigstenAnhaltspunkte für die Richtung der Tiberianischen Heerstraße, die ja Ger-manicus jetzt bis zum Limeskopf zu Ende führte, sind nun die beiden sichgabelnden Wege: Hünenpad, Berkenhecke und die Reste der römischenBrücke im Flußbett der „alten" Seseke. Die Gabelung der Straße ineinen Nord-Seseke-Teil und einen Süd-Seseke-Teil ist durch die Gelände-beschaffenheit beider Flußufer 3 bzw. 4 Um weiter oberhalb bedingt. Soerklärt sich auch die Mehrzahl, in der uns Tacitus von der Wegeverbindungredet. Wollte Germanicus gründlich verfahren — das deutet ja schon derAusdruck permrmire an —, dann konnte ein Weg nicht genügen, weilwestlich Kamen unbedingt zwei strategisch wichtige Punkte: einer nördlichder Seseke (auf dem Töddinghäuser Berg, Höhe 91 ü. M.), einer südlich derSeseke (Seseke-Körne-Winkel) besetzt werden mußten. So ging die nördlicheLinie in der Richtung des „Hünenpads", die südliche unter dem Namen„Berkenhecke" weiter. Die Stelle der Gabelung scheint durch den Turm imBreloh gedeckt gewesen zu sein. Der „Hünenpad", von hier ab plötzlich auf-tretend und im Gelände deutlich noch vor Iahren bei abgehendem Frost er-