Das Kastell Aliso als Limeskopf östlich Oberaden 133
mußte die Straße über Recklinghausen gehen, denn diese vermeidet das 17 lrnrnördlich über der Sehne liegende Lippeknie bei Haltern und strebt so demsüdlichen Lippeknie bei Lünen zu. Wir müssen also annehmen, daß, wennsich bei Haltern kaum nennenswerte Spuren aus nachvarianischer Zeit ge-funden haben, auch Tiberius diesen Platz nicht mehr in den Plan seinerKastellkette aufgenommen hat und sind genötigt, auch das belagerteLippekastell des Jahres 16 n. Chr. auf dem linken Ufer zu suchen.Wird es vielleicht Haltern gegenüber angenommen werden dürfen und bisheute noch unentdeckt im Boden ruhen? Oder hat Tiberius und ihm folgendGermanicus die Lippe nicht mehr als Schiffahrtsweg benutzt, so daß nunauch auf ein diesen deckendes Kastell verzichtet werden konnte? Verlangteaber nicht auch die in geradem Zug über Recklinghausen nach Osten führendeLinie eine seitliche Deckung, wie sie dann nirgends besser als in Haltern zufordern wäre? Aber wir müssen uns an die Ausgrabungsergebnisse haltenund wenn diese uns nicht erlauben, das Lippekastell in Halternanzunehmen, so müssen wir uns fügen. Das wird auch mir freilich nicht leicht,nicht bloß darum, weil uns strategische Erwägungen den Bestand der Militär-station bei Haltern auch für die nachvarianische Zeit zu fordern scheinen, alsauch aus einem andern Grund. Wir haben nämlich, soweit uns die Aus-grabungsergebnisse über die Anlagen im Lippe-Seseke-Winkel zugänglich sind,auch noch kein unbedingtes Recht, das Uferkastell bei Beckinghausen als das16 n. Chr. genannte Bollwerk auzusprechen, obgleich es, falls Haltern dafürin Wegfall kommt, keine Kastellanlage an der Lippe gibt, die in solchem Maßeallen Anforderungen entspricht, die an die in Frage kommende Befestigungzu stellen sind. Wer an Ort und Stelle sieht, wie sich das Kastell über derLippe um 25 nr erhebt in einer von Natur schon so sicheren Position, daßder Nordwall wegfallen und die Festung ihre offene Seite dem Flusse zu-kehren konnte: wer an den drei nachgewiesenen Gräben erkennt, welche Be-deutung die Römer gerade dieser kleinen, aber starken Festung beimaßen: werauf die Furt achtet, die doch an dieser Stelle u. E. gar nicht ohne Deckungsein konnte, wer das alles und so viel anderes bedenkt, kann nur aufs tiefstebedauern, daß bis heute noch nicht das große Werk erschienen ist über dieAusgrabungen von 1966—1914 in und bei Oberaden, das im Auftrag derStadt Dortmund von einem Stab berufener Gelehrter geschrieben wird. Esist mir darum auch nicht möglich, zu entscheiden, ob die in der Tagespressegelegentlich bekanntgegebenen Nachrichten auf tatsächlichen Grundlagen ruhen.Nach diesen sollen sich auch Ziegel im Spitzgraben des Lippeuferkastells beiBeckinghausen gefunden haben, die von den Walltürmen stammten. Da solcheZiegel, entsprechend den bei Vetera gemachten Erfahrungen, nicht aus augu-steischer Zeit stammen können, dürften sie, zutreffenden Falles, zu der FrageAnlaß geben, ob sie in Verbindung mit der in die Spätzeit des Tiberius oderin die Periode des Caligula zu versetzenden Scherbe für eine Benutzung derkleinen Festung in dieser Zeit sprechen. Dann müßte die von uns schongenannte Seseke-Brücke, auf die noch 1476 die Brüggen- oder Schemmäckeroberhalb der Adener Mühle deuten, die Verbindung zwischen dem Lippehafenbei Beckinghausen und dem vom Rhein über Recklinghausen zum Seseke-Körne-Winkel ziehenden Heerweg vermittelt haben. Der Treffpunkt würdeam Sante-Moritz-Teich anzunehmen sein.