Druckschrift 
Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 

Das Kastell Aliso als Limeskopf östlich Oberaden 137

diese Verteidigungsstellung auf der wichtigsten und ursprünglichen Anmarsch-linie auf die Dauer auch die Germanen nicht abschreckte, zumal die Römernicht gewagt hatten, die nach Osten führenden Etappen wieder zu besetzen.So lag auch Kneblinghausen wie auf einem für die Römer verlorenen Posten

Die Cherusker aber hatten eine in den früheren Kriegszügen mit denRömern trefflich geübte Landwehr. Arminius wird selbst die Monate derRuhe zur Vorbereitung des Krieges gut benutzt haben. Die Pflege desmilitärischen Geistes lag ihm am Herzen. Wird er die leerstehenden Kastellean der Etappenlinie, die ohne Schwertstreich unzerstört in die Hände dersiegenden Germanen übergegangen waren, nicht zu Sammelpunkten seinerAufgebote gemacht und von diesen Punkten aus seine Unternehmungen ein-geleitet haben? Sind doch gewiß noch viele seiner Volksgenossen vorhandengewesen, die in diesen Kastellen vor dem Zusammenbruch von 9 n. Chr.Dienste geleistet hatten.

Natürlich mußten die Römer auch ihrerseits bestrebt sein, vom Rheinaus an der Lippe aufwärts wieder eine Kastellkette einzurichten. Noch imJahre 14 n. Chr. sah es damit schlimm aus. Wir lesen wieder mancheszwischen den Zeilen. Eine sogar auf den Zeilen stehende Notiz sagt unsmehr, als der Berichterstatter uns verraten wollte. Als nämlich Germanicusdamals zu seinem berüchtigten Zuge gegen die Marsen aufbricht, die, wieausdrücklich betont wird, nicht weit vom Rhein wohnten, befällt ihn ein Angst-gefühl. Er hatte nur Mut zu einem nächtlichen Überfall, nicht zu offenemKampf mit einem Feind, der auf Posten stand. Nun hatte Germanicusdamals den Rhein überschritten und rückte im Eilmarsch auf dem südlichenLippe-Ufer vor, bezieht ein Nachtlager und marschiert auch am zweiten Tageeine Strecke weiter; er muß inzwischen bis östlich Recklinghausen, also in dieNähe Alisos, gekommen sein. Da entsinkt ihm der Mut. Selbst Tacituserzählt ganz offen:Germanicus überlegte, ob er von zwei Marschrichtungendie kürzere, die man (früher) zu nehmen gewohnt gewesen war, wählensollte, oder ob es nicht ratsamer sei, den längeren Weg zu gehen, der freilichschwieriger war als jener. Aber er bot einen großen Vorteil:auf ihnachteten die Deutschen nicht." Wir dürfen eine Ergänzung wagen: DieserWeg galt nicht als Heerstraße und bot auch kein Ziel, wie es den Römernwertvoll erscheinen mochte, wenn sie auszogen, um bis zur mittleren Lippevorzustoßen. Also führte die Linie, die Germanicus sich sogar erst bahnenmußte, östlich von Recklinghausen nach Süd-Osten. Es wird der östliche Teildes Emscherbruches umgangen worden sein. Dann ging der Marsch durchdie Gegend des heutigen Dortmund auf das Bergland nördlich der Ruhr los.Hier wird das berühmte Heiligtum Tanfana im Lande der Marsen zerstört.Tacitus fährt dann fort:Noch streckten sie sich auf ihren Lagern oder umdie Tische, ohne Besorgnis; keine Wache war ausgestellt. So war alleOrdnung in Sorglosigkeit untergegangen, und nirgends Furcht vor demKriege: auch kein echter Friede, sondern der mattherzige, ordnungslose Friededer Betrunkenen . . . Kein Geschlecht, kein Alter fand Erbarmen."

Dieser Marsenzug von 14 n. Chr. mußte herangezogen werden, wennwir den letzten Zug des Germanicus von 16 verstehen und namentlicherkennen wollen, welche Bedeutung darin dem Uferkastell an der Lippeund dem Kastell Aliso zukommt. So sehr wir uns auch sonst mit Abscheu