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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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136 Aliso nach der Varusschlacht und in spätrömischer Zeit

und mochten gar selbst mit ihren Fahrzeugen dem Kriegshafen BorkumKriegsbedarf zuführen. Ja, wenn die Römer auf Schiffsplanken und sinkendenWracks auf den Fluten der Nordsee umgetrieben wurden, zeigten sie sich alsrettende Römerfreunde und fühlten sich geehrt durch das ihnen für Rettungder Schiffbrüchigen gespendete Lob. Armin empfand das als Verrat an dergroßen Sache.

Tiberius, der alte Ränkeschmied, hatte aber längst erkannt, daß es nichtgelingen würde, die Deutschen in offenem, ehrlichem Krieg zu überwindenoder dauernd zu beherrschen und hat deshalb auch nach den furchtbaren Fehl-schlägen seines militärisch unfähigen Neffen Germanicus als oberste Kriegs-regel den Satz aufgestellt:Überlassen wir doch lieber die Deutschen ihrereigenen Zwietracht!" Aber noch war Germanicus der Höchstkommandierendeund wollte nun, Anfang 16 n. Chr., zum entscheidenden Schlage ausholen.Er mochte sich mit dem Gedanken trösten, daß Silius von Mainz aus nichtnur die Chatten in Schach halten würde, sondern auch weiter nach Nordenvorstoßen und die Cherusker beschäftigen könnte. Diese sollten dann gleichsaminsKreuzfeuer" kommen. Von Süden durch Silius bedrängt, von Nordenher, also von der Wasserkante aus, durch die römische Hauptmacht und diedeutschen Küstenstämme angegriffen, sollten die Cherusker und ihre Bundes-genossen zerdrückt werden. Darum die riesenhaften Vorbereitungen für diesenKriegszug. Mit 1066 Schiffen für den Truppentransport an der Nordseeküstsentlang in die Ems hinein und zu Lande weiter nach Osten gegen Arminiusund seine Verbündeten!

Da ereilte den Germanicus am Rhein eine unerwartete, schlimme Bot-schaft, die in der Tat ihn zwang, seinen ganzen Plan anders auszuführen.Natürlich mußte von vornherein bei jedem Unternehmen von Norden aus auchmit der Möglichkeit gerechnet werden, daß die Cherusker von der mittlerenWeser aus sich auf die Lippelinie stürzen würden, um in stürmendem Eil-marsch gegen den Rhein vorzustoßen, ein Gedanke, der um so näher lag, alsdie Festungen nur schwache Besatzungen hatten, nachdem die Legionen undHilfstruppen in solcher Stärke ins Feld gerückt waren. Auch war bekanntgeworden, daß im Vorjahr, als die Truppen Caecinas an denlangenBrücken" eingeschlossen waren, in Vetera eine furchtbare Panik ausgebrochenwar. Damals sollte die Rheinbrücke abgebrochen werden. Der soldatischeGeist war so in die Brüche gegangen, daß schließlich nur eine Frau, die Gattindes Germanicus, die Selbstbeherrschung behielt und am Rheinufer erschien,um die fast fluchtartig Herzueilenden zu begrüßen und wieder mit einigemSelbstvertrauen zu erfüllen. Den Römern weit und breit stieg damals dieSchamröte ins Gesicht, als sie hörten, daß eine Frau gleichsam die Obliegen-heiten eines Kommandierenden Generals zu erfüllen sich genötigt gesehenhabe. Vollends die Germanen erkannten, daß es allgemach mit dem beherr-schenden Einfluß der fremden Eindrinlinge zu Ende gehe. Auch trug es nichtzur Hebung des römischen Ansehens bei, daß die Nachfolger des Drusus nichtimstande gewesen waren, in der Richtung der Lippe ihre Herrschaft auszu-bauen. Drusus hatte doch diesen Plan verwirklichen wollen und die Absichtgehabt, Aliso bei Oberaden zum bleibenden Hauptquartier zuerheben. Aber bereits Tiberius hatte mehr den defensiven Charakter desmittleren Lippegebietes betont. Nun aber sollte sich 16 n. Chr. zeigen, daß