Das Kastell Aliso als Limeskopf östlich Oberaden 135
schlössen ist, auch die entdeckungsmäßig festgestellte Gleichheit Elfe ^ Alisofür die Flur „Burg" (Römerlager) gelten zu lassen, erfolgte eine eigentüm-liche Scheidung zwischen dem „Drususlager am Elison" von 11 v. Chr. undAliso. Jenes — so folgerte man — sei bei Oberaden gefunden, dieses abernoch weiter zu suchen; ja, da bei der „Verschiedenheit beider Anlagen" auch derMündungswinkel Lippe-Elison (Seseke) nicht mehr für die Bestimmung derLage herangezogen werden dürfe — denn Aliso selbst erscheine ohne diesenähere Angabe —, so könne das berühmte Lager auch an einer anderenbeliebigen Stelle gelegen haben. Demgegenüber ist nun aber auch nebenso vielen gegen diese Trennungshypothese sprechenden Beweisen derDrususaltar eine wichtige Instanz. Da er — wie uns TacitusAnn. II, 7 bezeugte — bei Aliso liegt und seine Errichtung, wie auchMommsen schon annahm, am Sterbeplatz unzweifelhaft ist, so verknüpftalso dieser Altar Drususlager und Aliso.
Darum muß hier ein erbarmungsloses Entweder — Oder gelten: ent-weder ist das Lager in Elsey ein solches, von dem die Überlieferung unsnichts verrät, dann haben wir weiter zu suchen — oder das Lager im Lippe-Seseke-Winkel in Elsey bei Oberaden ist die Drususfestung. Dann aberist diese zugleich auch Aliso vom Jahre 9 n. Chr., und dieViktoria würde auch dem Drususaltar eignen, ja letzten Endes heute noch inder Sage vom Heidenkönig im goldnen Sarge eine Verklärung finden,wie sie dem tapferen Prinzen in der klassischen Gegend zwischen Lippe undSeseke wohl Zustände, wenn wir bedenken, daß dort auch die Feinde sich derTragik dieses Lebensausgangs mit stummer Ehrfurcht beugten. Nunmehrgehen wir zu dem Kap. Tac. Ann. II, 7 über, das uns noch einmal Aliso,aber diesmal das Kastell Aliso nennt.
II. Das Kastell Aliso als Limeskops östlich Oberaden amWestrande des Teutengebietes.
Die Zeit nach Abberufung des Germanicus
Was wir als für unsere Untersuchung wichtig aus Tac. Ann. II, 7 er-kennen, ist besonders folgendes: Die Germanen lassen sich nicht mehr ohneweiteres von den Römern den Vorsprung der Offensive aus der Handnehmen. Wir können darum allerlei zwischen den Zeilen lesen. Und wie sooft, scheint uns auf dem, was wir erst erschließen müssen, der Nachdruck zuliegen. Arminius als Führer der Bewegung, die bestrebt war, den Völker-bund vom großen Sieges- und Ruhmesjahr 9 n. Chr. zu festem Zusammen-schluß zu bringen, arbeitet von hoher Warte aus. Mit Staunen sehen wir,wie er auch in diesem Jahre 16 n. Chr. seine Truppen früher aufbietet undmit ihnen ins Feld rückt, als Germanicus annahm. Es handelte sich bei demVorkämpfer für deutsche Freiheit und Weltgeltung um nichts Geringeres, alsdarum, die Römer zur Änderung ihres ganzen Feldzugsplanes zu bringen.Dabei brannte gewiß auch der Schmerz über die deutsche Zwietracht undWürdelosigkeit tief in seiner zornentflammten Seele. Die Küstenvölker derChauken und Friesen hatten sich um schnöden Gewinnes halber dem Tod-feinde angeschlossen; sie gestatteten ihm freien Durchzug, lieferten Proviant