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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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134 Aliso nach der Varusschlacht und in spätrömischer Zeit

Raub »est, der G ö t t e r d i e n st, hier die Jungfrau Maria, dieMarienkirche, die christliche Anbetung, der Dienst der Barm-herzigkeit. Dort die Säule der Göttin Diana, hier das Kreuz.

Wenn nun schon wie erwähnt Hülsenbeck 1873 jene Säule mitseinem bei Alstede vermuteten Kastell Aliso, 4 ünr westlich Lünen in Ver-bindung brachte, ohne freilich die Frage nach der Verschleppung Lippe auf-wärts beantworten zu können, so sind wir heute in günstigerer Lage. Esist ja bekannt, wie die mächtigen Überflutungen der Lippe gerade zwischen derGegend am Wüstenknapp oder dem Uferkastell und Alt-Lünen das Ufer-gelände immer wieder unter Wasser setzten und wie diese Überschwemmungenin früheren Jahrhunderten für Lünen eine ständige Not bedeuteten. Sollteda nicht auch jene Säule vomWüstenknapp" in die Lippe geglitten und durchHochwasser nach dem Pfarrhofe in Alt-Lünen abgetrieben worden sein? Dannhätte also auf dem Drususaltar jene Säule und auf dieser eine mit Waffengeschmückte Siegesgöttin, welche später als Diana gedeutetwurde, gestanden. Mit Schild und Lanze bewehrt mag dieses Standbild,prächtig in der Sonne leuchtend, gegenüber dem römischen Lippeuferkastelldie heranziehenden Krieger gegrüßt haben! Daß der Drususaltar aus mehrerenTeilen bestand, hörten wir schon; denn die Germanen reißen ihn ja ausein-ander. Wenn ihn auch Germanicus wiederherstellt, so wird er doch nachdem endgültigen Aufhören der Römerherrschaft in diesen Gegenden entwedermit der Zeit verfallen oder, wenn er bei Einführung des Christentums nochstand, zerstört worden sein. Dann mag die Lippe jene herabrollende Säuleaufgenommen haben, die im Jahre 1292 noch einmal wieder sichtbar wurde.

Wie nahe es lag, gerade dem Drusus als hochgeehrten Sprößling desjulischen Kaisergeschlechtes, der wie sein großer Ahn in Gallien, so nun inGermanien solche Ruhmestaten vollbracht hatte, ein ähnliches Ehrenmal wiejenem zu errichten, bemerkte wieder auch schon Hülsenbeck. Eine Säule vonbeinahe 2V Fuß habe das Volk dem Julius Cäsar zu Ehren errichtet auf demForum zu Rom an der Stelle, wo dessen Leiche verbrannt worden war, undbei derselben dem Verstorbenen göttliche Verehrung erwiesen (8uatc»nCaesar 85).

Wir haben in unseren vorstehenden Untersuchungen den in der Form derV i k t o r i a s ä u l e mit der Belagerung Alisos nach der Varusschlacht wiemit dem Hinscheiden des Drusus in Aliso durch den Altar verknüpftenGegenstand, der uns beides in einem Zusammenhang gemeinsam zu enthaltenschien, ausführlicher dargestellt; wie wollten nämlich zeigen, welch hoherWert auch hier der Volkskunde zukommt. Da sie bis jetzt an allenStellen, an denen sie durch den Spaten nachgeprüft werden konnte, Standgehalten hat und somit der archäologischen Forschung wichtige Pfad-finderdienste leistete, so hieße es, scheint mir, ihr mit einem nichtbegründeten Mißtrauen begegnen, wenn sie bei unsern Forschungen, wie sievorstehendes Kapitel bot, nicht ausgiebig zu Worte gekommen wäre.

Die ganze Angelegenheit ist aber auch noch aus einem besonderenGrunde von hohem Wert. Bekanntlich hat die Fachwissenschaft das in Elseyentdeckte Römerlager als Drususlager 11 v. Chr. anerkannt und spricht nunvon diesem als demLager am Elison" (Seseke). Anstatt nun aber gegen-über der Gleichheit Elison ^ Seseke, die doch erst auf indirektem Wege er-