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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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132 Aliso nach der Varusschlacht und in spätrömischer Zeit

kommen. Aber auch am Annaberg, dem einzigen und ältesten größeren Ka-stell, das in jener Drusischen Frühzeit außer dem kleinen römischen Uferplatzbei Haltern selbst bestand, konnte der Zug nicht vorbeigehen, weshalb derSarg auch hier niedergesetzt werden mußte.

Nun hat uns aber auch das Trauergedicht an Lima eine Stelle erhalten,in dem uns berichtet wird:Welch ein Schicksal: das römische Leichen-begängnis nimmt zusammen mit dem Gefolge durch eben die Gründungendes Drusus seinen Weg, durch die er als Sieger hatte seinen Zugnehmen wollen!" Und wenn nun, wie auch von anderen Forschern längstangenommen worden ist, der Zug zum Winterlager Vetera ging, konnte dannüberhaupt der Annaberg überschlagen worden? Nein, durch Drususorte hindurch(per oppiclu Orrmi) nahm auch hier der Trauerzug seinen Weg. Dakönnen wir uns wieder gut denken, daß dies Bild, das sie mit teilnehmenderEhrfurcht anschauten, auch unseren Vorfahren sich tief in die Seele eingeprägthat, und daß wir in der von uns erzählten Sage eine rechte Perle auseinem Sagenkranz vor uns haben, der hier auf der historischen Sieges-bahn des Drusus allein mit pietätvoller Treue untergebracht ist, während diemit dem Lager Novaesium sich in ähnlicher Weise verknüpfende Über-lieferung vom Begräbnis eines heidnischen Kaisers nur ein Absenker ist.

Nun ist uns aber auch ein vor fast 640 Iahren bei Lünen auf-getretener Fund bezeugt, den wir, wie es auch wiederum schon um 1873Hlllsenbeck tat, auf Zusammenhang mit dem Drususaltar anzusprechen wagen.Mit diesem hat es nun folgende Bewandtnis. Es war im Jahre 1292, alsder Pfarrer Heinrich von Hüften in der Nähe des Pfarrhofesin Alt-Lünen an der sogenanntenLuyne" eine 6 Ellen hohe Säule imUfersand liegend fand, die, wie wir doch annehmen müssen, durch Hochwassernach hier abgetrieben worden war. Nachdem sie eine Zeitlang dort gelegenhabe, sei sie aber wiederum fortgespült worden; doch habe der Geistliche vorhereine sehr kunstvolle Zeichnung von der Säule, die ein Bildnis derGöttin Luna trug, angefertigt. Da wir diesen Bericht, den auch vonSteinen (Wests. Gesch. Bd. IV S. 1412) abgedruckt hat, dem um 1S89schreibenden Lüner Chronisten Spormeker verdanken, so ist die Sache sehrzu beachten. Derselbe war selbst Priester in Alt-Lünen, verfügte über eineumfangreiche Bibliothek und bezeugte auch ein besonderes Interesse an denSagen, die gerade in der Lüner Gegend im Volke umgangen. Die dortigenGewässer nennt ersagenberühmt" (kabulosae). Ihm muß auch im Pfarr-archiv die Zeichnung und der Bericht des Heinrich von Hüften begegnet sein.Vorerst werden wir betonen dürfen, daß die aufgefundene Säule mit einemBildnis, das ein Pfarrer als ein solches der Göttin Luna zu erkennen glaubte,auf keinen Fall ein Erzeugnis der christlichen Zeit sein kann; im Gegen-teil hat sich an diese Auffindung die Überlieferung von dem heidnischenKult in dieser Gegend angeknüpft.

Über diesen weiß nun auch der Vikar Georg Gerlich in Neu-Lünen, dervon 16961664 wirkte und Spormeckers Chronik benutzte, aber auch hie undda ergänzt hat, folgendes zu berichten: Vor der Bekehrung der ganzenGegend zum christlichen Glauben habe in Alt-Lünen gegenüber der Mündungder Seseke in die Lippe ein Droste oder Amtmann, einige nennen ihnHermelin, als Beherrscher der Umgegend ein Schloß besessen und