IM Aliso nach der Varusschlacht und in spätrömischer Zeit
gegen seine eigenen, ihm nicht mehr ebenbürtigen Erben als Zeugen aufrufenwollen, wandten sie das Angesicht der Viktoria auf dem Drususaltar nachItalien hin. Daß die Wirkung nicht ausblieb, zeigt die Erwähnung bei DioCassius, dem die größte Fülle von Überlieferungsstoff zur Verfügunggestanden hat und ihn wohl zum nicht geringen Teil dem Livius verdankt.Auch ihn, dem wir die leider nicht erhaltenen vier Bücher über die Großtatendes Drusus verdanken, und der mit dieser Darstellung wohl einen würdigenSchluß seines Gesamtwerkes uns hat geben wollen, rufen wir noch einmalzum Zeugen unserer Auffassung, der einzigen, die sich mit den Quellen inEinklang befindet, auf. Es ist ein Glück, daß wir wenigstens einen Auszugdieser Bücher des Livius noch besitzen, den wir der Wichtigkeit willen hierwiedergeben: 136. Rhätien wird von Tiberius Nero und Tiberius Drusus,Cäsars Stiefsöhnen, unterworfen.
137. Die Gemeinden Germaniens diesseits wie jenseits des Rheinswerden von Drusus bekämpft, und ein Aufstand, der wegen der Schätzungin Gallien ausgebrochen war, beigelegt. Cäsar (dem Kaiser) wird am Zu-sammenflusse von Arar und Rhone ein Altar errichtet, zu dessen PriesterCasus Julius Verecundarius Dubius, ein Äduer, gewählt wurde.
138. Die Thraker werden von Lucius Piso gebändigt! auch wirdberichtet, wie die Cherusker, Tenkterer, Chatten und andere Stämme derGermanen jenseits des Rheines von Drusus unterjocht werden.
139. Es wird von dem Kriege berichtet, den Drusus gegen über-rheinische Stämme führte: immer in der ersten Reihe kämpften dabei dieTribunen Senectius und Anectius aus der Gemeinde der Nervier mit.
110. Es wird von dem Kriege berichtet, den Drusus gegen ger-manische Gemeinden jenseits des Rheins führte. Erselbststarbinfolgeeines Beinbruchs, da er mit dem Pferde gestürzt war, amdreißigsten Tage nach diesem Unfall. Die Leiche ward von seinem BruderTiberius, der auf die Nachricht von seiner Krankheit mit größter Schnelligkeitherbeigeeilt war, nach Rom geleitet und in dem Begräbnis des Cajus Juliusbeigesetzt. Die Lobrede auf ihn hielt sein Stiefvater Cäsar Augustus, undverschiedene Ehren wurden ihm nach seinem Tode erwiesen.
Nachdem wir so das Ouellenmaterial gegen die Behauptung, daß dasDrususlager schmählich schon ein Jahr nach der Gründung wieder preis-gegeben worden sei, vorgelegt haben und zu den Anschauungen unserereigenen Vorfahren über die Einschätzung des Drusus und seiner Taten zurück-gekehrt sind, haben wir wieder festen Boden unter den Füßen: und dieserist kein anderer als der des Lippe-Seseke-Winkels. Dorthin führte uns jaauch schon die Berechnung der Schnellreise, die Tiberius durch „eben be-siegtes Varbarenland" am Rhein abwärts und darauf an der Lippe aufwärtszu seinem schwer erkrankten Bruder ausgeführt hatte. Nur auf diesem Wege,der der einzige ist, der in Frage kommen kann aus den früher schon dargelegtenGründen, lassen sich die nach sicherer römischer Reisekarte gegebenen Wege-maße unterbringen: 223 üm von Mainz bis zur Lippemündung, 73 üirrvon hier bis zum Drususlager, eine Berechnung, die auch schon von anderenForschern in derselben Weise zugrunde gelegt worden ist, weil sie einmalgenau der angegebenen Entfernung von 200 römischen Meilen, andererseitsaber auch den damaligen Verkehrsverhältnissen entspricht, die nur auf dieser