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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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128 Aliso nach der Varusschlacht und in spätrömischer Zeit

ist daher keine andere gewesen, als die im Anschluß an die Varus-schlacht auftretende.

Sollte es nun ganz undenkbar sein, daß außer den Mauerspeeren sichauch noch Reste des Altars als Zeugen bis in spätere Jahrhunderte hineinerhalten hätten, und wir, wenn auch kein unmittelbares, doch ein durch Über-lieferung auf uns gekommenes Zeugnis in diesem Sinne zur Verfügunghätten? Da fällt uns zunächst wieder die wundervolle Sage vom Heiden-könig im goldnen Sarge ein. Wer wollte es wohl wagen, dieser Sage inder Nähe unserer hochhistorischen Örtlichkeiten die höchst beachtenswerteBedeutung abzusprechen, zu der auch die übrigen Begleitumstände so gutpassen? Der Heidenkönig liegt nach Oberadener Ortssage bestattet auf demsog.Wüstenknapp". Dieser liegt dem Knapport gegenüber auf dem rechtenLippeufer. Hätte eben hier nicht auch der Drususaltar seinen rechten Stand-ort gehabt? Dann wären die römischen Schiffe auf der Lippe und die übrigenTruppen an der Lippe zwischen dem Drususaltar und dem Uferkastell durch-gezogen, und die ersten Eindrücke der großen historischen Örtlichkeiten hättenin erhebenden Formen die Erinnerung an den Gründer Alisos und Be-zwinger dieser Gegend wachgerufen: und wie dieses Ehrenmal die Augen undHerzen der anmarschierenden Krieger auf die große Vergangenheit richtete, soauch nicht minder auf die Zukunft. Viel war erreicht: aber das Werkmußte auch im Geist des Drusus fortgesetzt werden.Was du ererbt vondeinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen"! war auch hier die Losung.

Es ist also gerade umgekehrt wie man vor rund 2V Iahren behauptethat. Statt die Ergebnisse der Ausgrabungen in dem schon von uns dargelegtenSinne Koepps zu deuten und an mehrere Anlagen zu denken, stellte mansich ohne jeden Grund den Hergang so vor, als wenn der ganze Platz sehrbald nach Drusus' Tod auf Nimmerwiedersehen den Römern verlorengegangenwäre. So müßte also die Gegend um Elsey bei Oberaden nicht als Stättehöchster Ehre und im Sinne des Drususaltars, sondern als eine Örtlichkeitgefaßt werden, mit der sich dieselbe, vielleicht noch eine größere Schmachverbunden zeigte, wie mit dem Schauplatze der Niederlage des Lollius. Dannhätten wir also drei schandbefleckte Stätten aus der Regierungszeit desAugustus, die eine im heutigen Belgien, wo Lollius den Adler der fünftenLegion verlor: die zweite zwischen Mittel-Ruhr und Lippe, wo Varus mitseinen Legionen unterging und die dritte, ja die schmachvollste in Elsey beiOberaden, wo Drusus nicht in der Lage gewesen wäre, sein Lager zu halten,indem es schon im Sommer 10 v. Chr. von den Sugambrern eingenommenworden wäre und zwar nach langer Belagerung, als deren Vodenreste danndie Mauerspeere zu gelten hätten.

Bei diesen Annahmen reiht sich eine Unmöglichkeit an die andere.Wir wollen nur die sofort in die Augen springenden kurz andeuten. Drusussoll 10 v. Chr. auf dem Kriegszug gegen die Chatten wirklich nicht in derLage gewesen sein, seinem bedrängten Aliso Hilfe zu bringen, wenn es zugleicher Zeit belagert war? Wir werden im Gegenteil sagen müssen: Drususwar überhaupt gar nicht in der Lage, irgendeinen Kriegszug von Mainz unddem rechtsrheinischen Cha'-tenkastell zu unternehmen, wenn nicht Alisoin seinen Händen war: denn bei allen Unternehmungen im nörd-lichen Chatten- oder auch im Cheruskerland war der römische Feldherr auf