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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Die erfolglose Belagerung Alisos nach der Varusschlacht 127

sicher auch ihre Habe, soweit sie solche noch besaßen, mitgenommen. Ja, wennstatt der eisernen Pila Holzspeere hergestellt worden sind, so ist sogar nachder Regel:Hunger ist der beste Koch" die Frage recht naheliegend: solltennicht auch Holzgeschirre in der Not verfertigt worden sein? Diese müßten dannvermodert sein, weil ihnen nicht, wie den Mauerspeeren im Moor des Lager-grabens, Vorbedingungen für jahrtausendelangen Bestand gegeben waren.

Und abermals erkennen wir in dem belagerten Lager unser Aliso wiederan der Notiz über das Standbild der Viktoria. Sollte es zu kühn sein,dem Armin zuzutrauen, daß e r jene Veränderung am Standbild der Sieges-göttin Viktoria vorgenommen habe? Wenn siein Germanien bei dembelagerten Lager" stand, dann können wir mit bestem Gewissen sagen:Dies Standbild befand sich bei Aliso. Wenn wir nun hören, daß dasAngesicht der Viktoria eine Richtung nach Italien genommen habe, so fälltuns das sinnbildlich bedeutungsvolle und leicht faßbare Handeln jenes deutschenKaisers ein, der dem Adler auf der Kaiserpfalz Aachen eine andere Richtunggab, um anzudeuten, daß seine Herrscheransprüche sich auf das Land er-streckten, auf das der Adler schaute.

Auch das Standbild der Viktoria war ein laut redendes Sinnbildrömischen Siegeswillens in Germanien gewesen und kann als solches keinanderes Ehrenmal gewesen sein wie der uns schon bekanntgewordeneDrususaltar. Da uns nun die bildlichen Ehrenzeichen, welche dem früh-vollendeten Sieger in Germanien gesetzt wurden, genannt werden, und auchStatue n" dazu gehören, so dürften wir wiederum hier vor derselbenSache stehen: denn zwischen einem Altar und einer auf mächtigem Unterbauerrichteten Säule wird kaum ein Unterschied gemacht worden sein. Wir wissenaber weiter auch, daß der Drususaltar bei Aliso aus verschiedenen Teilenbestand, denn als die Deutschen in Zeiten äußerster Erbitterung 16 n. Chr.ihn zerstörten, heißt es: sie hätten den Altar auseinandergerissen. Nun wirdderselbe in demselben Jahre als einalter Altar" bezeichnet und zwar mitdem auf die Goldwage gelegten Worte, das im lateinischen Sprachgebraucheinen langen Bestand andeutet (veterern oiaiu). Wörtlich ist also die Stellezu übersetzen:Die Belagerer hatten den alten Drususaltar, den die Römervor langer Zeit errichtet hatten, auseinandergerissen." Die Gegenüberstellungmit dem auf dem Varianischen Schlachtfeldeneulich erst", d. h. vomStandpunkt des Jahres 16 berechnet, im Vorjahre 13 n. Chr. errichtetenGrabhügel, macht das Zeitverhältnis völlig klar. Demnach also kann es sichtatsächlich nur um einen bald nach dem Hinscheiden des Drusus nahe beimSterbeort des Drusus erbauten Altar gehandelt haben, der die ganze Zeitder römisch-germanischen Kriege bis 16 n. Chr. überdauert hat und endlich,als 23 Jahre seit seiner Weihung verstrichen waren, zerstört wurde. AberGermanicus bekundet wiederum im Endjahre seiner germanischen Kriege(16 n. Chr.) durch feierliche Wiederherstellung des Ehrenmals und großeTrauerparade beim Rückmarsch (cteouLui -rik), daß der Standort des Altarsund damit die Pflege des Denkmals fortan in treuen Händen ruhen sollen.Also ist die Gegend um Aliso und damit die Festung selbst nicht so bald schon,wie einige Gelehrte auf Grund der Bodenfunde glaubten annehmen zu müssen,geräumt worden. Die Belagerung, bei der uns unter sehr bemerkens-werten Umständen das Siegesdenkmal der Viktoria bei Aliso genannt wird,