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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Die erfolglose Belagerung Alisos nach der Varusschlacht 121

durch die Katastrophe des Jahres 9 n. Chr. geraten waren, ihre Erklärungfinden. Sie scheinen dann nach einem bestimmten Plan verteilt worden zusein, wie die Einritzungen andeuten, unter denen uns nicht nur die Namender betreffenden Centurien und ihrer Führer, wie Pomponius undCamillus, sondern auch die landsmännisch geordneten Centurien oderHundertschaften begegnen, z. V. Kampaner und Tusker.

Es ist auch eine ansprechende Erklärung des vorliegenden Tatbestandes,daß sich die Abteilungen, die diese Speere führten, auf die einzelnen Wall-türme verteilten, von deren Zinnen herab dann mit furchtbarer Wuchtdiese Wurfwaffe auf die Angreifer geschleudert ward. Wie schnell nun diegesamten Vorbereitungen für die Ausrüstung und kriegsmäßige Instand-setzung des Lagers getroffen werden mußten, geht auch aus einem scheinbargleichgültigen und doch nicht zu übersehenden Umstand hervor. Wie sollte essich denn sonst erklären, daß vor dem Lager aufgetürmte Holzhaufen liegengeblieben waren, die erst unter Anwendung einer Kriegslist während derBelagerung selbst fortgeräumt werden mußten. Offenbar fehlte es an Zeit, sienoch in die Festung selbst hineinzuschaffen, deren Tore durch herzueilende Flücht-linge und schwer mit Lebensmitteln beladene Wagen gesperrt sein mochten.

Dann muß, nachdem die ganze Volksmasse sich in dem zum Glückgenügend Raum bietenden Lager gesammelt hatte, Caedicius als Be-fehlshaber die Führung übernommen haben. Zunächst wurden dieKampffähigen von denUnbewaffneten" gesondert. Die letzteren wird Cae-dicius ins Innere des Lagers geschickt haben, die übrigen mußten die Wällebesetzen. Die Centurionen oder Hauptleute, die unter dem Befehl desCaedicius ihreKompanien" vom Varusschlachtfeld in die Festung geführthatten, behielten ihr Kommando auch für die nun bald einsetzende Belage-rung. Es war im übrigen sehr zweckmäßig, daß die kleinen Abteilungenlandsmännisch geordnet waren, denn so bildete sich besser das Bewußt-sein der Kameradschaft heraus, bei dem die Kampaner mit den Tuskern inedlen Wettbewerb traten. Im übrigen mußte darauf Bedacht genommenwerden, die Festung durch besondere Maßnahmen noch weiter kriegsmäßig zuverstärken. Es war ja ganz natürlich, daß die Lagerinsassen mit der Wahr-scheinlichkeit eines Sturmes von der Nordwestseite rechnen mußten, ein-mal, weil von dort ein heute noch als Aufschüttung erkennbarer Dammwegsdurch das Moorland Sundern zur Lippefurt führte, der am ersten für denFall des Entweichens in Frage kam: dann auch, weil für die Angreifer selbstvon Nordwesten her die beste Aussicht für einen wirksamen Sturmangriffsich bot, denn hier ist das Niederungsgebiet, wo es eines schwierigen undgefährlichen Anstiegs nicht bedürfte. So haben die Belagerten denn auchnach dieser Stelle hin ihre Hauptkräfte, offenbar Kerntruppen kommandiert,die übrigen Mannschaften aber, unserm Landsturm vergleichbar, haben sie aufdie weniger gefährdeten Stellen des gewaltigen Lagers verteilt und dabeiauch, wie das ein sehr belehrendes Ausgrabungsergebnis ist, das Osttorgründlich verrammelt, auch die Erdbrllcke des Grabens ausgehoben.

Wie sehr nun der ausgedehnte Sumpfstrich im Süden und Südwestender Festung zugute kam, wurde bald offenbar, und nur so, daß wiran diesen sturmfreien Seiten außer Veobachtungsposten keine Besatzung

! Abbildung Taf. s.