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Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
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Die Birkenwald- und Birkenbaumsage als germanische Volksüberlieferung 111

genauester Befragung feststellen konnte, ist der berühmte Münzfund bezüglichder Fundstelle in folgender Weise sichergestellt worden. Herrn LohmeyersVater war in jüngeren Jahren, etwa 1880, Hilfsprediger des verstorbenenSuperintendenten Eck in Hilbeck. Eck, der im Jahre 1837 seine Pfarrstelledort angetreten hatte, hatte sich von jeher mit Geschichtsstudien befaßt; eswäre schier unbegreiflich, wenn er nicht dem in unmittelbarer Nähe seinesPfarrortes gemachten Augusteischen Münzfunde sein Interesse zugewandthaben sollte, zumal doch auch die Übernahme seiner Pfarrstelle in Hilbecknur 90 Jahre nach dem Münzfund fällt, so daß damals vor rund100 Jahren noch eine klare Volkserinnerung bestehen mußte. So hat dennauch, und zwar schon 1910, Frau Pfarrer Lohmeyer bekundet, ihr ver-storbener Gatte sei bei Gelegenheit eines gemeinsamen Spazierganges mitHerrn Eck in das B o r g h o l z gekommen; dieser habe dann, mit dem Spazier-stock auf den Boden stoßend, seinem Begleiter erklärt, dort sei der bekannteMünzfund gemacht worden. Diese Mitteilung war mir um so wichtiger, weilauch ich nach Hülsenbeck dieHöhe von Hilbeck", also eine etwa X> lein weiternach Nordosten gelegene Stelle, angenommen hatte.

Von Anfang an aber hatte ich meine Aufmerksamkeit auch auf Bil-de r i ch selbst gerichtet, als auf die von mir hier angenommene erste Etappeöstlich von Aliso bei Oberaden. Dort befindet sich südlich der LandstraßeWerlUnna eine mäßige Bodenerhebung von 4S Morgen, die heute nochim Volksmund den NamenTempel" führt. Hier waren kurz vor 1906massenhaft Scherben gefunden worden, ganze Schubkarren voll, wie man mirsagte; auch einigeschön rot" mit Weinranken verziert. Von früher dortgemachten Fundstücken, die als spätrömisch zu gelten haben, findet sich einsim Museum zu Paderborn. Auch eine von mir auf demTempel" aufgelesenelorru sigillutu wurde von Herrn Dr. Koenen mit dem Gutachten versehen:letzte Zeit der Römerherrschaft, aber noch in fränkischen Gräbernvorkommend". Dieses Urteil ist mir nach dem Auftreten spätrömischerScherben im Seseke-Körne-Winkel erst in seiner ganzen Bedeutung klar ge-worden, da doch zwischen diesen beiden Punkten eine Verbindung angenommenwerden muß. Nun hat aber unmittelbar westlich von dieser FlurTempel"Herr Oberlehrer Lotze den NamenLürkerke" festgestellt, der uns sagt, daßsich das Volk in späterer christlicher Zeit hier einen Platz heidnischer Gottes-verehrung und einen Begräbnisplatz derselben Zeit gedacht hat. Was denNamen Lürkerke betrifft, so scheint es mir nämlich nahe zu liegen, an eineStelle aus der Viku Lonikucii zu denken:Zur selben Zeit zerstörte derHeilige die anderen Idole der Lohra und Jecha, dort wo heute die Lohra-burg und Iechaburg in den von Bergen umgebenen Hainen stehen." Liegtdiese Stelle auch bei der Hainleite in Thüringen, so scheint es sich doch auchdort um eine Lürkerke (Heidenkirche, Tempel, Waldheiligtum) zu handeln.

Der Nachweis von Weihe st ätten am Ort der Varianischen End-katastrophe gehört aber unzweifelhaft zu den wichtigsten Unterlagen für dieErmittelung des historischen Schauplatzes, weil uns Tacitus ja geradezu vonsolchen Waldheiligtümern oderLürkerken" berichtete, an derenAltären die sakrale Opferung der höheren Offiziere stattfand. Wenn nun geradedieser Notiz keine Beachtung, ja nicht einmal Glauben geschenkt worden ist, so istdas wiederum kaum zu begreifen; und wenn gesagt worden ist: es wäre doch