Die Birkenwald- und Birkenbaumsage als germanische Volksüberlieferung 105
und Dörfer zerstören, nachdem die Einwohner gezwungen sind, sich in dieBerge und Wälder zu flüchten. In den Gegenden Niederdeutschlandswird dieser schreckliche Kampf entschieden werden. Daselbst werden die HeereLager schlagen, wie sie der Erdkreis noch nicht gesehen hat.
Am Birkenwäldchen nahe bei Budberg wird das schrecklicheTreffen beginnen. Wehe! Wehe! Wehe! Armes Vaterland! Drei Tagewerden sie kämpfen; bedeckt mit Wunden werden sie sich noch gegenseitig zer-fleischen und bis an die Knöchel im Blute waten. Die bärtigen Völker desSiebengestirns werden endlich siegen und ihre Feinde werden fliehen, amUfer des Flusses sich wieder setzen und mit äußerster Verzweiflungkämpfen. Dort aber wird jener Macht vernichtet, ihre Kraft gebrochen,so daß kaum einige übrigbleiben, um diese unerhörte Niederlagezu verkündigen. Die Bewohner der verbündeten Orte werdenklagen, aber der Herr wird sie trösten, und sie werden sagen: Das hat derHerr getan!" —
Die vorstehende Wiedergabe ist nun eine Übersetzung, da jene im Jahre1701 erfolgte Niederschrift in lateinischer Sprache abgefaßt war, die unsereÜberschrift in folgender Fassung hat: „üropUetiu ele tsrridili Irrata üustilet ^.czmilonis ele proelio Uorrenüo in kiniUus cürcmtns JVestxUuliuexrope LoUderZriin." Schon Beykirch hat in seiner 1849 erschienenen Schrift„Prophetenstimmen" diese Quelle verwertet.
Es muß aber auch eine deutsche Aufzeichnung der Sage schon vordem Jahre 1701 gegeben haben, die der Überlieferung nach sich im Evers-berger Pfarrarchiv befunden haben soll. Aber alle Forscher, auch der, welchersich seit vielen Jahren schon mit dem Gegenstand besonders eingehend be-schäftigt hat, Herr Prof. zur Vo n se n-Münster, bedauern, daß die deutscheAufzeichnung nicht mehr aufzufinden ist. Das ist tief zu beklagen; denn, umdas gleich vorweg zu nehmen: es wäre für unsere Untersuchung von höchsterBedeutung zu wissen, welcher Ausdruck für das Wort „Grenzen" in derÜberschrift gebraucht war. Wie wir schon andeuteten, ist ja in diesen Gegendendurchaus für Grenze der Ausdruck „Teute" üblich gewesen, so daß auch dieBirkenbaumschlacht, die durchweg noch heute im Volke alsGrenz -schlacht bekannt ist, schon in der schriftlichen Aufzeichnung als ein Kampfan den „Teute n" des Herzogtums Westfalen bezeichnet gewesen sein mag.
Aber wenn auch dieser Ausdruck sich in der schriftlichen deutschen Quellenicht fand, so geht doch auch diese auf die Volksüberlieferung zurück. Und dain ihr der Name Teute gebräuchlich war und sich in nächster Nähe heutenoch in der schon erwähnten Form „Todmodde", ebenso auch nördlichNeheim in der Form „Totenberg" findet, so hat unsere Vermutung festenHalt auch in den Flurnamen. Eben diese aber haften gerade an der Land-wehr oder Grenze, die hier aus der Gegend von Scheda über Schei-dingen zur Lippe zieht, die sie an der Stelle trifft, wo auf der Karte vonGosebruch über den Kreis Hamm von 1799 das Wort „Scheidezug" ein-gezeichnet ist.
Wenn wir nun die Grundzüge der Sage, um die es uns besondersgeht, ans Licht stellen, so spiegelt sich in ihr besonders das Bewußtsein widervon der außerordentlichen Bedeutung des Kampfes. Es ist ja eineEntscheidungsschlacht, die mit dem Ausdruck „die letzte Schlacht"