Die Birkenwald- und Birkenbaumsage als germanische Volksüberlieferung 103
grenze der Kleinen Brukterer —, so müssen die Römer auch hier diese Namenvorgefunden haben. Tatsächlich ist dann check, „Baum", Grenzdurchgang nichtsanderes als sultus; Teuto (Teute) genaueste Bezeichnung für Grenze, burZ(barll, boi-Z, darZ) Birkenwalds
Da nun, wie im allgemeinen darstellenden Teil ausgeführt, noch am Endedes 18. Jahrhunderts das Volk kein chaus „Borg" nördlich Budberg, sondern nurein „chaus zur Barg" — zum Birkenwald kannte, so ist tatsächlich durch deneben hier gemachten Augusteischen Münz fund, wie auch durch dieBirkenbaumsage dieser Birkenwald (vemus detularum) aufsengste mit der historischen Örtlichkeit verknüpft. Wie also die Sage von derSchlacht am Birkenbaum ein blutiges Ringen um Gewinnung einesGrenzdurchgangs oder „Baumes" („check") war und zwar eineSchlacht, die zunächst am Birkenwald — Borgholz begann, so ist auch derTeutoburZierwts saltus nicht ein sich lang hinziehendes Waldgebirge mit einermeilenlangen Reihe bleichender Gebeine, sondern Teulokurgiensis saltus ist:Grenzbirkenwald-Durchgang. Wir stehen also am Ostrand desMarkengebietes der Teuten, das zwischen Lippe und Ruhr heutenoch durch Wort und Sache erkennbar ist.
Vom römischen Seseke-Körne-Winkel südwestlich Ka-men, durch das Teutheck bei Herren-Werve zum Birke n-baum westlich Werl, das ist die durch dies Markengebietder Teuten führende Straße, die auch Ptolemäus unsnennt mit den Stationen Aliso-Budoris — Elfe (bei Oberaden)— Büderich (bei Werl). Nunmehr wenden wir uns der Birkenbaumsageselbst zu. ! . ^ !
V. Die Birkenwald- und Virkenbaumsage als germanischeVolksüberlieserung über die Varusschlacht
Unsere Darstellung in ihrem weiteren Verlauf wird zeigen, daß zwischenden Grundgedanken dieser Sage und den Örtlichkeiten, wie wir sie glaubenannehmen zu müssen, ein ganz eigenartiger Zusammenhang, ja eine solcheÜbereinstimmung besteht, daß ein Zufallsspiel ausgeschlossen erscheinen muß.Bekanntlich haben sich auch sonst an denkwürdigen Orten, vornehmlich aufSchlachtfeldern, solche Sagen gebildet. Erwartet doch das Volk der heutigenGriechen bei Marathon die große Entscheidungsschlacht, die ihre Macht wieder-herstellen soll, und wie bald auch bei uns Geschichte beginnen kann, sich inden Prophetenmantel zu hüllen, also, was schon gewesen ist, zum Gegenstandneuer Hoffnungen zu machen, sehen wir an dem Schlachtfeld von Wörth,wo schon vor dem Weltkrieg eine solche Prophezeiung auftrat. Es geht darumnicht an, einfach zu sagen: „Sage ist nur Phantasie; Geschichte und Sagehaben nichts miteinander zu tun". Jedenfalls dachte Grimm ganz anders,wenn er sagte: „Wo ferne Ereignisse in Vergessenheit geraten wären, dabindet sich mit ihnen die Sage und weiß einen Teil davon zu hegen". Längstist darum auch mit Recht gesagt worden, daß es einem Schliemann gar nichtmöglich gewesen wäre, seine großen Ausgrabungen auf dem Boden des klas-sischen Troja so erfolgreich durchzuführen, wenn er bei der Führung des
i Schon Zeuß, Die Deutschen und die Nachbarstämme 1837 brachte denNamen ^Visbircon (Weisebirken, Grenzbirken) in Verbindung mit dem Volks-namen ^VlLburZtot (Oö-o/SovM-o-).