162 Die Varusschlacht
zur Sache mitzuteilen. Der auf dem linken Ufer der Emmer liegende Berghofbegegnet uns in folgenden Formen: Barchove (1258), Borchove (1259), Borg-hove (1261), Berckhove (1186), Borkhausen (bei Blomberg) finden wir 1366 alsBarkhausen, Borgesgrundt lautet 1645 auch Burgesgrundt, 1553 aber: bargenGrundt. Aus diesen urkundlichen Belegen geht nun wieder hervor, daß wir beidem Wortstamm kurg gar nicht vorsichtig genug sein können; jedenfalls ergibtsich aus unsern Beispielen, daß wir nach einer Burg im Sinne von „FesterPlatz" unter ihnen vergeblich suchen, denn sonst würden nicht neben borg auchKare, korc, kerck, karg auftreten.
So dürfen wir denn wieder Iellinghaus befragen, der uns meldet, daßkark Birkenwald bedeutet, ebenso aber auch Bork (Kr. Llldinghausen): Burei. I. 890.
Nun gibt uns Cramer (Rhein. Ortsnamen, Düsseldorf 1991) noch weitereErläuterungen, die wiederum keinen Weg zur Deutung: „kurg" offen lassen,sondern uns auf den Wortstamm Korea — weiß leuchtend führen. Auf ebendiesen Wortsinn bringt Cramer auch Burginacum (Itin. Xnt. p. 256. 368 undTak. ?eut.) hinaus. Auch Borco vicium, Ort am Hadrianswall in Britannienbedeutet genau so „W e iß e n h e im", wie das heutige B o rgovico bei Como;ferner Burgen bei St. Goar — B o r c ana. Auch bei Haus Bürge! (Kr.Solingen) i. I. 1619 Burgela, wo sich zur Römerzeit ein Kastell befand, ist aufKorea — weiß leuchtend zurückzuführen, und auch der Stamm Kargo- oderkirgo- gehört zur Wurzel kkarg — leuchten. Es ist nun aber ein sehrerfreulicher Fall für unsere Deutung von korg und den entsprechenden übrigenFormen, daß wir auch in Pannonien ein Teutiborgio und ein Teutibarkiofinden, worüber uns Deppe, „Teutoburg", Heidelberg 1884 und Seeck, Xotitiavignitalum S. 188 aufklären.
So ist also kein Zweifel mehr, daß zwischen Grenze und Birkenwaldoder Birkenbaum ein sehr enges Verhältnis bestand, denn die urkundlichvon uns belegte Form Teutibarkio läßt klar erkennen, daß die BezeichnungBirkenwald für römische Stationen vorkam. Wir wissen aber auch, daß dieselbeBenennung gemeint ist, wenn statt teuts die lateinische Übersetzung mit allkines eintritt, das bei den Deutschen nicht anders geheißen haben kann als:an den Teuten — Grenzen. Und nun begegnet uns im Itiner. Xntoninip. 237 folgende Stationenreihe: örigantia m pm XXIIII, Xrkoreke 1 iee m pm XX, Xctkines m pm XX, und genau ebenso Itin. Xntoninip. 256. Cramer (Rhein. Ortsn. S. 94) erblickt in krigo nur eine andereForm für birgus und bargus und stellt dazu Brege, Brigach,Bregenz, das eben genannte Brigantia. Da nun die gleich folgendeStation mit kinikus oder all II n es als Grenzanlage gekenn-zeichnet ist, für die auch Xrkoro kelice steht, so gehen tatsächlich dieBezeichnungen Birkenwald (bark), Grenzbirkenwald (Teutibark), An denGrenzen (teuten — kinikus) oder einfach Baum (arbore mit der Beifügungkelice) so eng miteinander oder treten sogar sinngemäß füreinander ein, daßdie deutsche Sitte der Grenzbezeichnung deutlich durchscheint. Mögen es nunHilfstruppen deutscher Herkunft gewesen sein, die an solchen Grenzorten lagenund auf diese ihre heimischen Bezeichnungen übertrugen, oder, mögen die Römerauch hier vorgefundene Namen übernommen haben, auf jeden Fall hatunser Deutungsversuch der Bezeichnung Teulokurgiensis saltus eine beachtens-werte Grundlage. Haben wir doch auch hier Grenzen (Teuten, kini-kus, all kines), auch hier einen Birkenwald oder Vorgholz (barg, korg),auch hier einen Baum, Birkenbaum (srdor).
Da diese Bezeichnungen als Grenzabsetzungen in dieselbe Gegend fallen,die schon Strabo als Grenz- und Markengebiet kannte — denn ebenhier liegt,666 Stadien (112 km) vom Rhein die von Norden nach Süden gehende West-