S8 Die Varusschlacht
selbst in Frankreich bekannt ist, wo sie schon vor dem Weltkrieg von einemfranzösischen Oberst bearbeitet wurde.
Ehe wir uns aber dieser Sage, die wir als eine germanischeVolksüberlieferung über die V a r u s k a t a st r o p h e ansehen, zu-wenden, geben wir für diejenigen Leser, die unsere wissenschaftlichen Unter-lagen für Teutoburgiensis Saltus — Grenzbirkenwalddurchgang kennenlernenwollen, diese Belege bekannt. Diejenigen Leser, die auf dies urkundlicheMaterial verzichten wollen, finden auch im allgemeinen darstellenden Teil ge-nügend Aufklärung.
IV. Sprachliche und urkundliche Belege zum „TeutoburgiensisSaltus" ^ Grenzbirkenwalddurchgang
Bei der entscheidenden Bedeutung, welche in der Wortverbindung Tsuto-durZiensis saltus dem bislang fast stets mit „Wald" übersetzten Worte „saltus"zukommt, läßt es sich nicht vermeiden, hier eine sprachliche Untersuchung bei-zubringen.
Schon Iellinghaus hat in seiner Schrift: „Arminius und Siegfried, diebeiden deutschen Nationalhelden" darauf hingewiesen, daß wir keineswegsberechtigt sind, bei saltus nur an einen Wald zu denken, sondern die Pflichthaben zu untersuchen, ob es in unserem Fall nicht einen ganz anderen Sinn,nämlich „Pah" hat.
Wir werden, um überhaupt einen Überblick über die verschiedenen An-wendungen von saltus zu bekommen, zunächst auf die Grundbedeutungsaltare — springen eingehen. Demnach ist auch saltus zunächst das Springen,der Sprung und in dieser Bedeutung reichlich im klassischen Latein vertreten.Sodann bezeichnet es aber auch waldiges Gebirge, wie die Pyrenäensaltus ü^renaeus heißen. In dieser Bedeutung unterscheidet es sich zuweilenvon mons (Ber g), silva (Wald) und neinus (H a i n), sonst würde nicht beiLaosar, bell. (lall. VI, 43 uns die Wortverbindung: saltus silvasgus,bei VerZil Le. IV, 53: silvas sallusgue, in der Von. IV, 72: nernora autsaltus, bei Latull. XXXIV, 10: montes saltusgus begegnen. Oft aber läßtes sich freilich auch einfach mit Wald übersetzen, namentlich, wenn es sich umWaldungen handelt, in denen das Vieh weidet. Dann aber tritt es gernin Verbindung mit aZer (Acker) oder unter näherer Kennzeichnung als Weide-gebiet in Verbindung mit vacuus (leer) auf. Sollen aber baumreiche Weide-plätze bezeichnet werden, wie für die so gern die Bäume benagenden Ziegen, sowird auch hier, wie z. B. bei lustin. VIII, 6 gesagt: saltilzus silvestribusckelectanlur (caprae) — die Ziegen erfreuen sich auf waldigen Wiesen. Darausentwickelt sich dann der Begriff Landgut, Vorwerk, das viele Viehtriften hat undgeht von da aus in die Bedeutung einer Anzahl von Äckern mit bestimmterGröße über, so daß, ähnlich, wie wir von „Morgen" reden, saltus die Bedeutung„Feldmaß" annimmt.
Neben den genannten verschiedenen Bedeutungen steht nun aber auch dieserAus gang oder Eingang eines Waldes oder eines engen Passes,z. B. saltus Tllermopzüarum, zweimal bei Livius XXXVI, 15 und Liv.XXXV, 11, von den Namibiern, die bereits im Walde (in saltu) waren undgern hinaus wollten, propius saltuin paulatim evecti — näher am Ausgange,Livius (22, 15, 11) nennt die Appische Straße, im Paß bei Terracina:saltus; „Xsmorum kam clauciits saltus" bei Vergil. Lei. VI, 56: schließetschon die Eingänge zu den Hainen. In diesem Sinne erwähnt ülaut. Las. V,2, 42: saltum okseptum, einen versperrten Eingang.