Die Endkatastrophe im „Teutoburgiensis Saltus" 95
gesagt ist. Vor allem aber auch mußten die beiden Lager solche Empfindungenwachrufen: Das erste noch deutlich sich kundgebend als das Werk dreierLegionen, das andere kaum noch „Lager" zu nennen, weil schon nach sechsJahren halb eingesunken und schon bei der ersten Anlage nicht ausgebaut, einerschütternder Beleg für die großen Verluste auch an den ersten beiden Tagen.Und nun vollends in der Ebene das schauerliche Blachfeld! So hat auchuns Tacitus einen lebendigen Eindruck von dem Fortschreiten der Tragödievom ersten bis zum letzten Akt gegeben.
Es würde nun für die Wiedererkennung des Schlachtfeldes, soweit essich im Arnsberger Wald befindet, von nicht geringer Wichtigkeit sein, wennwir die bekannten Hügel, die sich dort zu vielen Hunderten finden, als Grab-hügel aus der Varusschlacht ansprechen dürften. Ohne nun diese Erd- undSteinaufschüttungen als Grundlagen des Beweises mit heranzuziehen, wollenwir doch ihnen hier am Schluß noch unsere Aufmerksamkeit zuwenden.
Die Frage nach dem Ursprung der Hügel im ArnsbergerWaldeist ebenso lebhaft wie verschieden in der Deutung besprochen worden,nachdem mein Mitbürger, Herr Rektor Beneke-Hohenlimburg, 1909 denGegenstand in seiner verdienstvollen Schrift: „Siegfried-Armin und dieVarusschlacht im Arnsberger Wald" wieder zum Gegenstand des allgemeinenInteresses und der wissenschaftlichen Forschung gemacht hatte.
Herr Veneke griff damit zurück auf Hülsenbeck, der in seiner von unsschon mehrfach erwähnten Schrift den Hügeln eine eingehende Untersuchunggewidmet hatte. Daß es sich dabei tatsächlich um Grabhügel handelt, hatdie nach 1909 angestellte fachwissenschaftliche Untersuchung als sicher er-wiesen; nur über die Zeitstellung herrschen noch Meinungsverschiedenheiten.Da sich keinerlei Beigaben gefunden haben, fehlen die Anhaltspunkte für diegenauere Datierung. Ebensosehr scheinen mir aber auch die Unterlagen für dieAnnahme einer vorgeschichtlichen Massenbestattung in dieser menschenarmenGegend zu fehlen, so daß immerhin die Vermutung, daß wir hier vor denGrabhügeln vom Jahre 9 n. Chr. stehen, einen sehr hohen Grad von Wahr-scheinlichkeit beanspruchen darf. Wäre dem so, so würde sich auch unsere obenausgesprochene Ansicht, daß die Römer in der Lage waren, ihre Gefallenenalsbald zu bestatten, noch einmal bestätigen. Die Hügel liegen haupt-sächlich an zwei Stellen, nämlich am Plackweg unmittelbar östlich vomStimm stamm, dann wieder weiter westlich am Enst er knick; andieser Stelle sind es rund ZOO Grabhügel. Daß auch das Volk sich unterdiesen Aufwürfen von jeher Gräber vorgestellt hat, beweist der Name„I u d en k i r ch h o f" für die erstgenannte Stelle. Ganz gleich nun, ob esRömergräber sind oder nicht, wir haben Zeugen ernster Kämpfe vor uns,und da die Hügel in großen zusammenhängenden Massen erscheinen, beidemalan Stellen, wo ein von Osten kommendes Heer auch heute noch wegen derGeländeschwierigkeiten harte Kämpfe zu bestehen haben würde, so verstärktsich unsere Annahme noch mehr. Auch für unsere Auffassung, daß die Be-stattungen noch während der Schlacht stattfanden, spricht die G e s ch l o s s e n -heit der Gruppen. Wir könnten uns denken, daß die kämpfenden Kriegerdiese Plätze deckten, während auf ihnen andere ihren gebliebenen Kameradendie letzte Ehre erwiesen. Bemerkenswert ist auch, daß südwestlich Hirschbergdie Hügel aufhören: sollte das damit zusammenhängen, daß Varus, nachdem