94 Die Varusschlacht
von der Lippe zur Ruhr die „Teute n", wie die Grenzen heute noch heißen.An sie klingt noch an der „Totenberg" bei Neheim, die Todmodde südlichVudberg an der östlichsten Grenzlinie, die Teute bei Altenbögge, das Teutheckbei Heeren-Weroe an der mittleren Linie, die Teute bei Niedermassen-Wasserkurl an der westlichsten Linie, die durch den römischen Seseke-Körne-Winkel als Turmlinie zur Lippe (bei Heil) zieht. Dies ganze Gebiet vonWestick (3 Irin südöstlich Oberaden) über das Teutheck bei Heeren-Wervebis Budberg-Büderich, 15 lcirr breit, ist das Markengebiet derTeuten, zu denen der Teutoburgiensis Saltus einen östlichen Eingang,das Teutheck (auch ein sulkrm) einen mittleren Durchgang, der Turm imSeseke-Körne-Winkel den westlichen Eingang (saltus) bildet. Beim Ver-such, den Weg von Budberg-Büderich (Budoris) nachAliso zu gewinnen, sind die Römer beim Grenzbirken-roald-Durchgang (irr saltu Teutodurgieusi) untergegangen.Germaniens aber, dessen Standort wir auf seinem rechten Heeresflügel beiLippborg annehmen, während Cäcina auf dem linken Flügel bei Lippstadtsein Kommando haben mochte, befand sich bei Lippborg nur 16 Irrn vomTeutoburgiensis Saltus. Aber auch, wenn er bei Lippstadt gestandenhätte, wäre auch hier die Entfernungsangabe mit „nicht weit" (Iraucl procul)passend gewesen.
Aber warum beschränkte sich nun nicht Germaniens auf den Besuch desOrtes der Endkatastrophe bei Vudberg, wenn ihm durch jene Schreckens-kunde bloß gemeldet wurde, die Unbestatteten lägen nur am Ende desTodeszuges als bleichende Gebeine, nicht aber mehr auf der Kampflinie derersten Zusammenstöße, im Gebirge? Indessen die Beantwortung dieserFrage scheidet aus dem Rahmen unserer Untersuchung aus, weil sie nur dannvon entscheidender Bedeutung wäre, wenn lediglich unter der Voraussetzungeiner auch im Gebirge vorzunehmenden Bestattung ein Aufsuchen auch derersten Kampfstätten begreiflich gemacht werden könnte. Diese Voraussetzungaber liegt keineswegs vor. Ja, es soll nicht verschwiegen werden, daß esForscher gibt, die sogar best reiten, daß Germanicus sich an dem erstenTeile des Zuges beteiligt habe; vielmehr habe er nur die Totenfeier amSchluß geleitet, wie auch Tacitus bemerkt, dieser habe das erste Rasenstückauf den Totenhügel gelegt.
Viel mehr Wert wie auf diese Vermutung ist aber darauf zu legen, daßuns Tacitus nichts von unbestatteten Leichen im Waldgebirge, sondern erstin der Ebene zu berichten weiß. Auch der Ausdruck, der den ersten Eindruckwiedergeben soll, der sich den in das Waldgebirge Eintretenden darbietet, istbezeichnend und läßt die Annahme unbestattet umherliegender Kampfleichenkaum zu. Wohl sind „die Stätten trauerweckend sowohl für den Anblick wiefür die Erinnerung". Aber warum? Weil die Örtlichkeit verunstaltet („cle-korruis") ist. Natürlich, denn noch lagen massenhaft Waffenreste, Brandschuttund sonstige Stücke mannigfaltiger Art umher. Der Ausdruck „verunstaltet",„deformiert" will uns doch wohl sagen, daß der Boden eine andere, seinernormalen Beschaffenheit entgegengesetzte Form bekommen hätte. Wodurch?Am wahrscheinlichsten doch durch die N o t b e st a t t u n g e n, die in allerHast während des Kampfes vorgenommen worden waren. Auf sie könnte sichauch am ungezwungensten beziehen, was über die trauerweckenden Eindrücke