Druckschrift 
Aliso bei Oberaden und die Varusschlacht : Römer- und Nibelungenspuren im Lippe- und Ruhrland, nachgewiesen in Geschichte, Bodenforschung, Heldensage
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

Die Endkatastrophe imTeutoburgiensis Saltus" 93

auf das linke Lippeufer zu veranlassen mit dem Vorhaben, die ganze Todes-zuglinie kennenzulernen, vor allem aber den Ort der Endkatastrophe. Umden ging es ihm recht eigentlich, denn hier mußte endlich einer schon so langevernachlässigten Pietätspflicht genügt werden.

Wo lagen also diese Unbestatteten? Nicht im Teutoburger Wald, nicht ineiner meilenweit sich hinziehenden Reihe; nicht im Gebirge, wo sie bei denKämpfen der ersten Tage schon bestattet worden waren; sie lagen mitten inder Ebene, wie uns Tacitus selbst den Teutoburgiensis Saltus erklärt.So schalten wir also den NamenTeutoburger Wald" ganz aus unsererUntersuchung aus, setzen auch nicht den Arnsberger Wald diesem gleich, son-dern nehmen den Namen sulkrw in seiner ursprünglichsten Bedeutung:Durchgang oder Paß; Teute aber in dem Sinne, wie er heute noch inder ganzen Gegend als Bezeichnung für Grenze in Gebrauch ist. Damitbekommen wir die Bedeutung Grenzdurchgang, wie heute noch solcheDurchgänge in der Gegend um Werl herum bekannt, auch mit den Namen:Teutheck, Heck,Baum" bezeichnet sind.

Bei dem Namen brrrg müssen wir bedenken, daß jene ersten Zeugenvon borg geredet haben. Dieser Ausdruck geht in der Gegend südlich dermittleren Lippe mit barg, darb zusammen. Da nach der Gosebruchschen Kartedes Kreises Hamm vom Jahre 1799 das Haus Borg zwischen Werl undHilbeck Haus zur Barg zum Birkenwald heißt, so sind wir genötigt, beider Untersuchung über denTeutoburgiensis Saltus" auch diese Bedeutungzu berücksichtigen. Wir müssen das um so mehr tun, als Birken in besonderemSinne als Grenzbäume galten und als solcheWeisbirken" d. h. als Bäumebezeichnet wurden, die wegen ihrer weithin leuchtenden, weißen Rinde dieGrenze wiesen und deutlich machten. Als Grenzbaum war aber dieBirke zugleich ein heiliger Baum, der in Island, wie Thllmmel in seinerAbhandlung über dengermanischen Tempel" beweist,Blotbjörk" Blut-birke, Opferbaum heißt. Und das Vorgholz bei Budberg, an dessen Südwest-rand dasHaus zur Barg" liegt, ist eben damit auch als Birkenwald(borg barg) gekennzeichnet. Auch hier hat dies Borgholz ^Birkenwaldbei Budberg" in enger Verbindung zur Grenze gestanden, wie ja auchBudberg selbst bei der Bedeutung von but ^ Grenze auf die Landscheidedeutet. Wenn wir nun dieses Borgholz, das schon in der Kurzform borgbarg Birkenwald heißt, in Verbindung mit Teuteund 8 al 1 u 8, also demGrenzdurchgang bringen, so stützen wir uns vor allem auf den Augu-steischen Münzfund, der hier, in der Mitte des Vorgholzes vorrund 189 Iahren gemacht worden ist. Auch spielt dieses Borgholz in derVirkenbaumsage eine so bedeutsame Rolle, daß wir den Zusammenhang mitder Varianischen Katastrophe noch untersuchen werden. Daß wir es alsonun offen sagen: Wir lassen denTeutoburger Wald" ganz auf sich beruhen,suchen ihn weder bei Detmold. noch setzen wir ihn dem Arnsberger Waldegleich, sondern behaupten: Teutoburgiensis Saltus heißt:Grenzbirkenwald-Durchgang und deutet auf den Birken-wald bei Budberg, wo die wichtigen Durchgänge oder Pässe warenaus dem Gebiet der kleinen Brukterer ins Sugambrerland. Nach der Weg-führung des Stammes war hier der Eingang in das von den Römern neu-besiedelte Umland von Aliso, an das südlich die Marsen grenzten. Hier ziehen