Armins Kriegsplan zur Vernichtung der Legionen 87
und westlich von Aliso bei Oberaden glaubten annehmen zu dürfen, tatsächlichAntwort auf mehrere wichtige Fragen finden. Wir bekamen Einblick in dieMittel, die Armin anwandte, um nicht nur die Kampftruppen des Varuszu schwächen, sondern auch die Etappenstationen auszuschalten und auf seineSeite zu bringen, die Freischaren zu sammeln, die Getreidetrans-porte abzufangen, das Heer des Varus vom Durchbruch zur Haar-straße abzuhalten, seinerseits aber aus den Straßenkastellen der Haarstrang-linie dem marschierenden Heereszuge von Norden in die Flanke zu fallen.Wir werden annehmen dürfen, daß auch die Notiz Dios, die Truppen derVerschworenen hätten „irgendwo" vor dem Ausbruch der offenen Feind-seligkeiten schon bereit gestanden, sich auf die Etappenstationen bezieht. Inihrer Nähe mochten sich auch die Freikorps zusammenscharen, welche alsRäuberbanden bezeichnet wurden; und sie mochten es sein, gegen die auchnur scheinbar die abkommandierten Hilfstruppen zogen. Diese machten nunauch mit den meuternden Kastellbesatzungen gemeinsame Sache. Nur so auch istes vorstellbar zu machen, wie unbemerkt hinter dem Rücken der Römer solcheTruppenzusammenziehungen seitens der Verschworenen stattfinden konnten.Nur so begreifen wir auch, warum die römischen Schriftsteller kaum Wortegenug finden, um die Verschlagenheit des Armin zu kennzeichnen. So auchverstehen wir erst vollauf die Austilgung der Namen der Schmachkastelle aufden römischen Militärkarten und vielleicht sogar in den in Umlauf befindlichenKriegsberichten.
Nunmehr gehen wir zur Schilderung der ersten Kämpfe über. Varusmochte rund 30 Unr in südwestlicher Richtung, vom Sommerlager auf demSintfelde bis in die Gegend zwischen War st ein und Meschede, vor-gedrungen sein, als die ersten Angriffe von den Verschworenen gewagtwerden konnten. Hier mochte der Augenblick um so günstiger scheinen, alsauch inzwischen Regen und starker Wind sich den Germanen als Bundes-genossen hinzugesellt hatten. So löste sich immer mehr die Marschkolonne ineinzelne Teile auf. Der Boden selbst verstattete ihnen nur unsicheren Tritt,indem man leicht über Wurzeln und Baumstümpfe fiel: auch die Äste, welcheabbrachen und herunterstürzten, brachten sie in Unordnung. Während dieRömer sich so in hilfloser Lage befanden, umzingelten sie plötzlich die Feindevon allen Seiten, immer durch das dichteste Gestrüpp, da sie ja der Fußpfadekundig waren, vordringend. Anfangs schleuderten sie von weitem Geschosse,danach aber, als sich keiner wehrte, und viele verwundet wurden, rückten siedicht an die Römer heran. Denn da die Truppen nicht in geordnetem Zuge,sondern in buntem Gemisch zwischen Wagen und Unbewaffneten marschierten,konnten sie sich nicht leicht auf dem Punkte sammeln und waren im einzelnenimmer schwächer an Zahl als die Angreifenden. Daher erlitten sie vieleVerluste, ohne Gegenwehr leisten zu können.
So schlugen sie denn dort, da sie — soweit es auf einem dichtbewaldetenBerge überhaupt möglich war — einen passenden Platz gefunden hatten,ein Lager auf. Die Mehrzahl der Wagen und was ihnen sonst nicht durch-aus notwendig war, verbrannten sie oder ließen es im Stich.
Am andern Tage aber zogen sie in besserer Ordnung weiter, so daßsie wirklich an eine lichtere Stelle gelangten: doch kamen sie nicht los,ohne Blut zu lassen. Als sie aber, von dort aufgebrochen, wiederum in die