Armins Kriegsplan zur Vernichtung der Legionen 85
wieder Vudoris (Büderich) erscheint, so wird auch dadurch klar, daß es sichum verschobene Stationen handelt, was ja auch schon aus Aestiva — Sommer-lager hervorgeht, das als solches doch nie im heutigen Mecklenburg gelegenhaben kann. Wenn uns nun die dritte Zone, südlich der Lippe so verarmterschien, so erkennen wir jetzt vier Stationen im Norden wieder als solche,die wir in die dritte Zone zurückversetzen können. Es muß also die Quelledes Ptolemäus, vielleicht ein militärisches Stationenverzeichnis, von demSommerlager (ueskivu) Aliso, Lakiburgium, Bunitium geredet haben. Hin-zunehmen dürfen wir aber auch noch aus der zweiten Ptolemäischen ZoneLupfurdon — Lippefurt, das in Vergleich zur ersten Zone, wo Alisusmit 38 ° Ptolem. Länge erscheint, fast genau so weit (38 ") nach Osten liegt.Aber selbst, wenn wir Lupfurdon nicht mit so vielen kritisch vorgehendenPtolemäusforschern als Lippefurt bei Aliso nähmen, bliebe doch unsereStationenreihe deutlich genug. Nach dieser Quelle hat Ptolemäus, der stetsvom Rhein aus nach Osten vorschreitet, gewußt, daß Aliso nicht dem Stromso nahe lag, wie es in der dritten Zone scheint; sonst hätte er nicht zwischenAliso und dem Rhein „Ästiva" eingeschaltet.
Was aber von größter Bedeutung ist: er kennt die unmittelbar an Alisosich östlich anschließende Etappe auch unter einem anderen Namen, alsin der dritten Zone südlich der Lippe. Nennt er sie hier nur Vudoris (Bü-derich), so erscheint sie bei ihm in der ersten Zone als Lakiburgium und ineiner beigefügten Lesart auch dort als Vudoris. Hier stehen wir also ganzoffenbar vor dem Vorgang der Namentilgung (^uv^^ia ironriiris), die sichuns heute noch im Auftreten dieser Doppelnamen verrät. Im vorliegendenFalle ist uns nun durch einen glücklichen Zufall der Name erhalten geblieben,der durch sein Bestimmungswort lulce nichts anderes andeutet wie terite,nämlichGrenze. So hieß die Ostgrenze von Oberaden früher die Oberadener Lake;die Westgrenze der alten Grafschaft Dortmund Teutheck. Lakiburgium,dem Sinne nach eben dasselbe wie Teutoburg(ium), ist nun der inVerruf gekommene, „dysphemierte" und in dieser Form kassierteSchmachname; er bezeichnete in der Kastellreihe der östlich an Aliso sich an-schließenden Etappen die westlichste Befestigung, die Verrat geübt hatte, andie dann sich auf der Haarstranglinie noch vier weitere angeschlossen habenmüssen, wenn unsere Annahmen richtig sind. Zu ihnen haben das heuteunter dem Namen Kneblinghausen bekannte Lager, zwischen diesem undVudoris zwei Stationen und über Kneblinghausen hinaus das VarianischeSommerlager gehört. Dann muß das einen Tagesmarsch östlich von Vudorisanzunehmende Lager das mit Bunitium bezeichnete gewesen sein. Offenbarhat der Name schlechthin Munitio — Befestigung gelautet. Im Sommerlageröstlich Kneblinghausen mag nach dem Abmarsch des Varus ein Wach-kommando, vielleicht cheruskischen Aufgebotes, zurückgelassen worden sein,das sofort überlief. Es ist nun weiter wichtig, festzuhalten, daß diesesStationenverzeichnis, das irrtümlicherweise so hoch in den Norden verschobenworden ist, als vorvarianisch bezeichnet werden muß, weil Lakiburgium(Teutoburg) in ihm noch nicht als Schmachort galt. Aber auch Ästiva(Sommerlager) läßt auf diese frühe Zeit schließen, weil noch großeTruppendurchmärsche in den Sommermonaten üblich waren.
Ebenso sicher aber auch ist der nach varianische Ursprung des Stationen-