84 Die Varusschlacht
einen festen Platzzu bewachen, weiter aber auch, umRäuber einzufangenund um Getreidetransporte zu begleiten. Es handelt sich also um Besetzungs-,Überfall- und Begleitkommandos.
Aber diese Maßnahmen stehen in Verbindung mit der Notiz: „allefestenPlätze (er> nruta) fielen in die Hände der Germane n".So ergibt sich denn folgendes Bild: Um die Kampftruppen des Varus zuschwächen, wußte Armin den verblendeten römischen Feldherrn zu veranlassen,eine große Menge von Hilfstruppen für die Wegekastelle der Etappenlinie(Haarstrang, Seseke, Lippe) zu entsenden. Da diese Hilfstruppen an sich schonunzuverlässig waren, so mochte es nicht schwer fallen, den größten Teil der-selben mit in die Aufruhrbewegung hineinzuziehen. Außerdem aber gab esauch ebenso unzuverlässigeBesatzungstruppeninden Etappen-stationen, die alsbald ebenfalls in ihrer Mehrzahl beim Herannahen der Ab-kommandierten sich auf Armins Seite schlagen mochten. So ist es nicht derangegebene Zweck der Verstärkung gewesen, sondern des Verrates. Dabeibleibt zu beachten, daß auch sonst für solche Straßenetappen derselbe Ausdruckor^rrraw (x^u^a-ra) gebraucht wird, wie wir solche auch auf der Trajans-säule abgebildet sehen.
Mit dieser Annahme löst sich dann auch das Rätsel des RömerlagersKneblinghausen. Dasselbe ist bekanntlich, wie wir schon ausführten, in seinenFormen und Einzelheiten streng römisch, aber ganz ohne römische Funde;nicht eine römische Scherbe oder Münze ist in ihm aufgetreten. Wir wissennun aber auch, daß Armin Führer einer Landsmannschaft (cluctoi' poprr-lariuirr) in römischen Diensten war. Wird er vielleicht sein Kommando vor-dem in Kneblinghausen oder einem andern Wegekastell gehabt haben? Natür-lich ist daneben auch die Annahme berechtigt, daß solche Abteilungen unterrömischen Offizieren gestanden haben. Dann sind diese beim verräterischenÜberfall auf diese Stationen sofort getötet worden. Sehr gut ließen sich auchdie beiden anderen Maßnahmen: die gegenüber den Räubern und ebensoauch die Angelegenheit der G e t r e i d e t r an s p o r t e mit dem Verrat ver-binden. In den Räubern scheinen uns überhaupt schon Freikorps zu begegnen,die sofort zum germanischen Heerbann gezogen werden konnten; und dieGetreidetransporte wurden natürlich ebenso zurückbehalten, um die mar-schierenden Legionen möglichst bald in Lebensmittelnot zu bringen.
W o werden wir nun die Straßenkastelle annehmen müssen, dieso durch Verrat sich den Aufrührern anschlössen? Da gilt es die Nachricht:„Alle festen Plätze sielen, mit einer Ausnahme" daraufhin anzusehen, obdiese Befestigungen nicht alle auf derselben Etappenstraße liegen wie Aliso,soweit sie wenigstens für unser Aufruhrgebiet in Frage kommen. Wir habenaber für unsere Ansehungen noch einen besonderen Anhalt. Längst nämlichist es den Ptolemäusforschern aufgefallen, daß vier Wegestationen, die nur inder dritten Zone, südlich der Lippe, richtig untergebracht sein würden, indie erste Zone, hoch in den Norden, abgeschoben worden sind, wo sie an derMeeresküste in einem gewissen Abstände entlang laufen. Hier finden wirnun auch unser Aliso in der Form Alisus wieder und zwar in derGegend des heutigen Mecklenburg-Schwerin. Die davon westlich gelegeneStation heißt Aestiva, die nächst östliche hinter Aliso: Lakiburgion unddie darauf folgende Vunition. Da nach einer Lesart nun für Lakiburgion